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Ganz nah dran: Jugendstück „Nach Toronto! Oder meine Mutter heiratet deinen Vater“

Frust im Bus

Hameln. „Wo willst du denn hin?“ – „Nach Indien oder so.“ Oder so. Was er jetzt machen soll, wohin seine Reise geht – Kevin weiß es nicht. Nur so viel: Er will weg. Weit weg. Und ist zumindest in diesem Punkt mit Sophie einer Meinung. Obwohl er die magersüchtige Zicke auf den Tod nicht ausstehen kann. Nun aber kleben sie unabsichtlich im Bus „nach Toronto“ zusammen, zwei pubertierende Zwangsgeschwister, die ihren Frust aneinander auslassen, nachdem sein Vater und ihre Mutter sich gerade geheiratet haben. Diese Patchwork-Familie aber wollen beide Kinder nicht.

veröffentlicht am 24.09.2013 um 15:25 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Ein toughes Stück von Heike Falkenberg, das Regisseurin Claudia Göbel mit dem Landestheater Detmold im Bus inszeniert und mit Adrian Thomser und Claudia Mooz zwei Schauspieler auf die Reise schickt, die als Kevin und Sophie so real rüberkommen, dass es dem Zuschauer den Atem raubt. Das Publikum ist ohnehin schon dicht dran am Geschehen, sitzt mittendrin, wenn zwischen Kevin und Sophie die Fetzen fliegen in einem Bus, der für die zwei Aufführungen des Stückes „Nach Toronto! Oder meine Mutter heiratet deinen Vater“ vor dem Theater Hameln aufgebaut ist. Das klassische „Guckkasten“-Prinzip existiert hier nicht: Davon profitiert die Inszenierung, auch wenn es das Zuschauen mitunter erschwert. Dafür aber sind Frust, Action, Streitereien und Gewaltausbrüche, aber auch die behutsame Annäherung der beiden Jugendlichen, ihr Schmerz und ihr Gefühl des Alleingelassenseins fast körperlich spürbar. Beide würden am liebsten wieder alles auf null drehen und die alten Verhältnisse etablieren, doch im spontanen Rollenspiel stellt sich heraus, dass es früher auch nicht gut war.

Die verfahrene Familiensituation, die die Jugendlichen so frustriert, dass Sophie am liebsten zu ihrer Oma nach Toronto abhauen möchte und Kevin einfach nur irgendwohin, an einen anderen Ort, entpuppt sich auf dieser „Reise“ als Chance für beide. Auch wenn sie aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kommen – sie sitzen letztlich im selben Boot (oder Bus) und sind jung genug, um noch zu blödeln, Pläne zu schmieden – und Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Das kommt an. Das verstehen die jugendlichen Zuschauer. Nicht zuletzt dank des authentischen Spiels von zwei großartigen Darstellern.

Schlagabtausch mit Annäherung: Adrian Thomser und Claudia Mooz in dem Jugendstück „Nach Toronto! Oder meine Mutter heiratet deinen Vater“.

Björn Klein



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