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Gisela Wilke-Schellhorns Bilder fangen die Sprachlosigkeit ein

Fragmente der Erinnerung

HAMELN. So tragisch, so – nein, nicht normal. Eher schicksalhaft. Ein Schlaganfall, der Kommunikation, wenn schon nicht unmöglich machte, so doch entschieden behinderte. Sprachverlust, Sprachstörungen und parallel dazu: Verminderung der Schreibqualität. „Aphasie – Agraphie“, so der Titel der „arche“-Schau, die am Freitagabend eröffnet wurde.

veröffentlicht am 12.08.2018 um 22:37 Uhr

Die Künstlerin Gisela Wilke-Schellhorn vor einem ihrer faszinierenden Bilder, die derzeit in der arche gezeigt werden. Foto: geb
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Autor

Richard Peter Reporter
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Persönliches Schicksal von Gisela Wilke-Schellhorn, deren Mutter nicht nur von Parkinson betroffen wurde, später auch von Schlaganfällen in ihren Funktionen eingeschränkt blieb.

Ein tragisches Schicksal – auch für Gisela Wilke-Schellhorn, die in Hildesheim Grafik-Design und in Braunschweig Freie Kunst studierte und seit 1981 als Dozentin in Hildesheim tätig ist. Vom Schicksal gezeichnet: ihre Mutter, die zunehmend Schwierigkeiten hatte, sich sprechend mitzuteilen. Ebenfalls Probleme, sich schriftlich auszudrücken, indem sie schreibend Silben wegließ, neue Buchstaben erfand.

Doch anders als in anderen Familien, sah die Künstlerin in den eigenwilligen Schriftzeichen auch spannende Ausdrucksformen. Ähnlichkeit zu archaischen Schriften. Sie begann die Zettel, mit denen sich ihre Mutter versuchte mitzuteilen, zu sammeln. So entstanden faszinierende Bilderwelten als Mischung aus Erinnerungsfragmenten und künstlerischer Umsetzung. Komplizierte Annäherung zwischen Mutter und Tochter aus unterschiedlichen Welten. Das Rudimentäre aus nichts als Verlusten gewinnt so eine nun künstlerische Qualität. Faszinierend, wie hier das Bildhafte zu immer neuen Formen findet. Britta Samsen-Huch in ihrer Einführung: „das Motiv selbst wird zum Resonanzkörper.“ So anders, bewegend anders die sinnliche Umsetzungen im zentralen Ausstellungsraum der Künstlergruppe – so vertraut die Arbeiten im Turmzimmer und der Galerie mit 18 Radierungen von Blüten, Knospen, Früchten. Und im Turm ein ebenfalls radierter Haarzyklus – und Haare über das Sichtbare hinaus, auch Sinnbild für Erotik und Sitz der Seele – auch der Kraft. Haare als Spiegelbild der Seele, wie Samsen-Huch formulierte. Dazu eine Video-Installation von Fares Hamade, Tropfen, die zum Zeitfluss werden, Stereotypen, die irritieren und beruhigen.

Eine gleichermaßen berührende wie faszinierende Ausstellung. „Ich wollte“ – einer der Titel, oder „Auf der Suche nach Zeichen“ und „Inneres Caos“. Eine Schau, in die man sich verlieren kann.



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