weather-image
12°
Drei Bremer Museen zeigen Magie von Tanz in der Kunst: Sonntag eröffnet das Paula-Modersohn-Becker-Museum

Flüchtige Bewegungsmomente für immer festgehalten

Bremen. Tänzerinnen brachten in den Pariser Vergnügungslokalen um 1900 Männer um ihren Verstand. Von dort aus erfasste die Tanzbegeisterung ganz Europa. Drei Bremer Museen zeigen, wie sich der Bewegungsrausch auf in der Kunst auswirkte.

veröffentlicht am 09.03.2012 um 12:38 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:21 Uhr

270_008_5307821_ku103_1003.jpg

Autor:

Sabine Komm
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Mit ihren wirbelnden Bewegungen zu Musik und Licht hat die amerikanische Ausdruckstänzerin Loïe Fuller die Menschen um 1900 begeistert. Der deutsche Bildhauer Bernhard Hoetger (1874-1949) hielt ihre Dynamik in seinen Bronzeplastiken fest. Von diesem Sonntag an zeigt das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen ausgewählte Plastiken des Künstlers inmitten von alten Fotos, Filmen und Plakaten. Die Ausstellung „Bewegte Bronze – Tanzplastiken von Bernhard Hoetger“ ist bis zum 3. Juni zu sehen.

„Der moderne Tanz hat damals eine ebenso rasante Entwicklung durchgemacht wie die Kunst: Weg von Spitzentanz und Korsett, hin zu einer natürlichen Lebendigkeit des Körpers“, sagt Kuratorin Simone Ewald. Davon beeinflusst ließ Hoetger bei seiner Bronze „Loïe Fuller“ das Kleid wie ein stürmisches Meer um die Tänzerin toben. Bei der Tänzerin Sent M’Ahesa hingegen inspirierte ihn die altägyptische Kunst. Das Porträt dieser Frau erinnert an die Büste der Nofretete, Gemahlin des ägyptischen Pharaos Echnaton.

Nahezu zeitgleich zeigt die Bremer Weserburg, ein Museum für Moderne Kunst, vom 16. März an Arbeiten von Rebecca Horn. In ihren Werken lotet die international bekannte Aktions- und Videokünstlerin die Grenzen des menschlichen Körpers aus. In einer ihrer Performances schreitet eine nackte Frau mit gigantischem Einhorn auf dem Kopf durch ein Kornfeld. In einem anderen Film öffnet sich ein Federkleid wie zur Balz und gewährt so einen Blick auf den Körper. Bis einschließlich 1. Juli zeigt die Ausstellung auch, wie Rebecca Horn den Menschen später durch rätselhafte Objekte ersetzt. Besonders irritiert hier ein Tango tanzender Tisch.

Auch der Kunsthalle Bremen geht es um die Frage, wie Künstler flüchtige Bewegungsmomente für immer festhalten. Vom 25. März bis zum 28. Mai geht es hier um „TanzKunst: Von der klassischen Ballerina zum Lichtballett“. Mehr als 70 Werke von Degas’ Tänzerinnen bis zu aktuellen Videoarbeiten versetzen die Besucher in einen Kosmos aus Licht, Lust und Leichtigkeit. Mit dabei sind Plakate von Henri de Toulouse-Lautrec, der mit schnellem Strich die exaltierten Posen der Variété-Tänzerinnen erfasste.

Die chronologisch gehängten Werke machen deutlich, wie diese Leichtigkeit mit der Zeit verschwindet. Max Beckmanns „Großer Apachentanz“ von 1938 setzt sich mit dem Kampf der Geschlechter auseinander: Ein Mann hat eine Frau geschultert. „Der Maler spielt hier auf die Pariser Zuhälter und die rauen Sitten im Milieu an“, sagt Kunsthallen-Kuratorin Katja Riemer. Im letzten Raum des Rundgangs lässt Videokünstlerin Ulrike Rosenbach eine Frau so lange zu Walzerklängen tanzen, bis sie zusammenbricht.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare