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Künstlerin Yuko Kaseki bei Eröffnung der Ausstellung „Floating“ im Museum

„Floating“: Im Bann der Performance-Künstlerin

BAD PYRMONT. „Sie windet und „wäscht“ sich, wird hilflos wie ein Embryo.“ Bei der Eröffnung der Ausstellung „Floating“ im Museum zog die intensive Performance der japanischen Künstlerin Yuko Kaseki die Zuschauer in ihren Bann.

veröffentlicht am 09.03.2018 um 14:36 Uhr

Rätselhaft und intensiv: Mit ihrer Perfomance zog Yuko Kaseki die Besucher der Vernissage im Museum in ihren Bann. Foto: Hei
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Karin Heininger Reporterin
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Die Frau trägt schwer an dem schmutzigen Wasser. Mühselig und tieftraurig, als hinge das Elend der ganzen Welt an ihren Armen, schleppt sie den Eimer mit der braunen Brühe durch die Räume der Beletage im Schloss. Im Tischbeinsaal angekommen, kippt sie das Wasser in eine bereit stehende Wanne und stülpt sich den Eimer über den Kopf.

Die Frau steigt in die Wanne, ertastet das Wasser. Kein erfrischendes Bad, sondern dem Element ausgeliefert, ein Tanz in Zeitlupe. Sie windet und „wäscht“ sich, wird hilflos wie ein Embryo. Schließlich steigt sie aus der Wanne, wringt ihr langes Kleid aus und tritt mit schleppenden Schritten den Rückweg an.

Die Deutung der sehr intensiven Performance, mit der die Künstlerin Yuko Kaseki bei Eröffnung der Ausstellung „Floating“ im Museum im Schloss die Zuschauenden in ihren Bann zieht und gleichzeitig rätseln lässt, bleibt den Beobachtern überlassen. Vielleicht meint die Japanerin ja die Flut und die Not von Fukushima, vielleicht aber auch „nur“ unseren Umgang mit dem Element Wasser, der längst seine Unschuld verloren hat. Auf jeden Fall ist die Performance ein Kontrapunkt zu den Kaseki-Videos, die über die in der Ausstellung verteilten Bildschirme laufen. Dort schütten beispielsweise Menschen das in Eimern gesammelte frische Wasser über die Buhnen und geben dem Meer so zurück, was sie ihm gerade genommen haben.

„Brandung“ von Anastasiya Nesterova, ein Farbholzschnitt aus dem Jahr 2015. Foto: Museum im Schloss
  • „Brandung“ von Anastasiya Nesterova, ein Farbholzschnitt aus dem Jahr 2015. Foto: Museum im Schloss

Während es die Performance nur zur Vernissage gab, bleiben die Videos in der Ausstellung und treten in Dialog mit den Gemälden und Holzschnitten von Anastasiya Nesterova. Ihre Bilder sind keine fotografisch genauen lieblichen Wasser-Landschaften im klassischen Sinne, sondern atmosphärische Momentaufnahmen verschiedener Gewässer, mal rau und wild, mal romantisch. Auch wenn keine Menschen zu sehen sind, wird doch deren Einwirken auf die Natur deutlich, durch Buhnen, Bojen, Brücken. Einige großformatige Gemälde, die Nesterova eigens für diese Ausstellung geschaffen hat, wirken in ihrer Dynamik fast abstrakt.

„Es erfordert Muße und Kontemplation, um die Arbeiten intensiv auf sich wirken zu lassen“, lud Museumsleiterin Vanessa Heitland die Besucher ein, sich abseits des Trubels dieser Vernissage später noch einmal mit „Floating“ zu beschäftigen. Es ist die letzte Ausstellung der laufenden Reihe „Neue Kunst im alten Schloss“ und die letzte Präsentation der Museumsleiterin, die im Mai Bad Pyrmont verlassen und in Baden-Württemberg eine neue Stelle antreten wird.

„Floating“ läuft bis 27. Mai dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr, im Museum im Schloss. Führungen durch Vanessa Heitland: 18. März und 6. Mai, jeweils 15 Uhr. Künstlergespräch: 13. Mai (Internationaler Museumstag), 15 Uhr.

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