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Karriere des Schotten neigt sich dem Ende zu / Starker Auftritt in der Studio Garage

Fish verabschiedet sich mit „Weltschmerz“

HANNOVER. Fish auf Abschiedstournee – nach dieser Tour soll endgültig Schluss sein. Für seine Fans zog Fish in der Blues Garage in Hannover alle Register seines Könnens.

veröffentlicht am 30.09.2018 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 30.09.2018 um 21:10 Uhr

Musik im Blut: Fish weiß immer noch seine Fans zu begeistern, wie das Konzert in der Blues Garage in Hannover bewies. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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HANNOVER. Julian, mit sieben Jahren jüngster Gast am Samstagabend in der Blues Garage in Hannover, muss Derek William Dick alias Fish erst einmal erklären, was eine Kassette ist. Und dass Marillion, Fishs frühere Band, immer 46-Minuten-Alben aufnahmen, um die Kopierer zu ärgern, wenn auf einer C-90-Kassette die letzte Minute fehlte. Schon damals hat sich Fish über die Musikindustrie aufgeregt, im Streaming-Zeitalter scheint er zu resignieren. Und sich doch zu arrangieren, wenn er Downloads anbietet und mit den Fans via Internet kommuniziert. Dennoch, nach dieser Tour soll endgültig Schluss sein, Dick will als Buchautor weitermachen. So liegt es nahe, noch einmal das komplette Marillion-Album „Clutching at Straws“ auf die Bühne zu bringen. Schließlich drehen sich die semi-autobiografischen Songs, deren Texte Fish schrieb, um einen Schriftsteller, der in Hotels seine innere Einsamkeit im Alkohol zu ertränken versucht, der die Happy-Hour („Hotel Hobbies“) ersehnt, sich im Suff weinerlich in den Mutterleib zurückträumt („Warm Wet Circles“), unterzugehen droht („Going Under“), vom Arzt bescheinigt bekommt, dass er, mache er so weiter, keine 30 werde („Torch Song“) und am Ende nur noch nach dem letzten rettenden Strohhalm greifen kann („The Last Straw“).

Vielleicht ist das vierte und letzte Marillion-Album mit Fish, bevor er seine Solokarriere begann, nicht so packend wie die ersten beiden Platten und hat nicht Hits wie „Kayleigh“ und „Lavender“ vom dritten Album, aber das finale „Incommunicado“ mit einem begeistert mitklatschenden Publikum, das progressive-rockige „Sugar Mice“ oder „That Time of the Night (The Last Straw)“ mit Robin Boults fließender E-Gitarre und John Becks atmosphärischen Keyboard-Passagen lohnen sich, wiederentdeckt zu werden.

Dazu stellt Fish vier vielversprechende Songs von der im Mai nächsten Jahres erscheinenden Platte „Weltschmerz“ vor. Das fast eine Viertelstunde lange „Waverley Steps“ offeriert facettenreichen Art-Rock alter Schule, der „C Song“ schwelgt im Walzertakt, das ambitionierte „Little Man What Now“ bezieht sich auf Hans Falladas gleichnamigen Roman und „Man With a Stick“ baut auf eingängige Riffs.

Fish präsentiert sich den 380 Besuchern der nahezu ausverkauften Blues Garage gewohnt kommunikativ, erzählt Studioanekdoten, plaudert unterhaltsam über die Schwiegermutter, witzelt über seine lückenhaften – tatsächlich aber sehr passablen – Deutschkenntnisse, obwohl er mit einer Deutschen verheiratet sei, beklatscht spontan einen Heiratsantrag, den ein Fan seiner Liebsten auf der Bühne macht, und spekuliert über mögliche Bewertungen des Kritikers. Und ja, Fish‘ Stimme bedarf in den Höhen der Unterstützung der Background-Sängerin Doris Brendel, aber sie ist immer noch eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert.

„Slàinte Mhath“, gälisch für „Gute Gesundheit“ oder einfach „Prost“, wünscht und singt der 60-jährige Schotte, nimmt einen Schluck aus der Weinflasche und dehnt die schmerzenden Glieder. Möge Fishs Abschied aus dem Musikbusiness nicht sein letzter Strohhalm, sondern ein Aufbruch in eine neue spannende Lebensphase sein.



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