weather-image
22°
Wichtige Rolle auch der deutschen Beiträge / Überwiegend ging es um Krisen und Orientierungslosigkeit

Filmfestival in Locarno mit Anspruch und Glamour

Locarno. Das Internationale Filmfestival von Locarno gilt seit Jahrzehnten als eine der wichtigsten Tribünen des Kinos fern von durchschnittlicher Massenware. Gehaltvolle Beiträge dominierten auch dieses Mal. Und die am Samstag nach elf Tagen zu Ende gegangene 65. Festivalausgabe glänzte darüber hinaus mit einer Starparade. Promis wie die Schauspieler Harry Belafonte, Charlotte Rampling oder Alain Delon und Regisseure wie Leos Carax schritten gleichsam im Fließbandtakt über den roten Teppich.

veröffentlicht am 12.08.2012 um 15:30 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 01:21 Uhr

270_008_5749243_ku105_1308_3sp.jpg

Autor:

Peter Claus
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Qualität und Glamour kamen auch aus Deutschland, zum Beispiel mit den Schauspielern Alexandra Maria Lara und Sebastian Blomberg. Sie stellten das außerhalb der Konkurrenz in einer der nächtlichen Freilauftaufführungen auf der Piazza Grande gezeigte Roadmovie „Nachtlärm“ vor. Regisseur der schweizer-deutschen Koproduktion ist Christoph Schaub aus Zürich. Mit 18 Beiträgen war Deutschland im Gesamtangebot von rund 300 Filmen schon quantitativ gut vertreten. Aber die deutschen und die mit großer finanzieller Beteiligung deutscher Produzenten realisierten internationalen Koproduktionen überzeugten auch qualitativ.

Ausgezahlt hat sich das mit Preisen. Die von Cate Shortland inszenierte deutsch-australisch-britische Koproduktion „Lore“, ein bewegendes Drama über Kinderschicksale nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde vom Publikum zum besten Film im Programm der Piazza Grande gewählt. Und noch eine wichtige Auszeichnung ging nach Deutschland: den Preis als bester Film der „Woche der Kritik“ bekam die Dokumentation „Vergiss mein nicht“. Darin begleitet Regisseur David Sieveking aus Berlin überaus feinsinnig seine an Demenz erkrankte Mutter.

Den Goldenen Leoparden bekam „La Fille de Nulle Part“ („Das Mädchen von Nirgendwo“). Regisseur Jean-Claude Brisseau (Frankreich) macht in dem mit visueller Schönheit und geistreichen Dialogen beeindruckenden Zwiegespräch einer jungen Frau und eines alten Mannes kunstvoll die moralische Schieflage der Gesellschaft deutlich.

Die Mehrzahl der in Locarno gezeigten Filme stellte die Orientierungslosigkeit des Einzelnen ins Zentrum. Dazu erklärte der Filmemacher und bildende Künstler Apichatpong Weerasethakul aus Bangkok, Vorsitzender der Jury des Internationalen Wettbewerbs: „Uns hat die Vielzahl an Filmen gefallen, die sich der verschiedenen Krisen in unserer Welt auf höchst unterschiedliche Weise annehmen.“

Der Erfolg des Festivals ist in hohem Maß Olivier Père zu danken, in diesem Jahr zum dritten Mal der künstlerische Leiter. Konsequent setzt er auf Förderung des anspruchsvollen Kinos fern kommerziellen Mittelmaßes. Dabei zeigt er, wie unterhaltsam das ist. Der mit dem Spezialpreis der Jury gewürdigte Film „Somebody up There Likes Me“ von Regisseur Bob Byington (USA) präsentiert die Suche eines Mannes nach sich selbst als Komödie.

Im Reigen der weltweit anerkannten Filmfestivals Europas hat Locarno in diesem Jahr seinen Status neben Cannes, Berlin und Venedig gestärkt.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare