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Von Fantasie, Liebe und Heimat

Felicitas Hoppe liest und erzählt im Museum

HAMELN. Mit ihrem kurzen Haar und dem gestreiften Kleid hat Felicitas Hoppe etwas Lausbübisches. Ein Brecheisen ist trotzdem so ungefähr das Letzte, was man mit der Schriftstellerin in Verbindung bringt. Doch am Mittwochabend besorgt sich Hoppe eins und rückt ihrem widerspenstigen Koffer zu Leibe. Darin sind ihre Bücher, aus denen sie den Zuhörern im Hamelner Museum vorlesen will. Es gelingt ihr.

veröffentlicht am 14.02.2019 um 18:16 Uhr
aktualisiert am 14.02.2019 um 21:00 Uhr

Fantastischer Streifzug durch das Werk von Felicitas Hoppe: Die renommierte Schriftstellerin las und erzählte im Museum Hameln in der Reihe „Starke Frauen“. foto: doro
Dorothee Balzereit

Autor

Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

„Auch eine Form von Stärke“, sagt Hoppe in Anlehnung an das Motto „Starke Frauen“, unter das die Volkshochschule eine Reihe von Begegnungen gestellt hat. Die in Hameln geborene und aufgewachsene Felicitas Hoppe macht an diesem Abend den Anfang vor einem zahlreich erschienenen Publikum, dass ihr aufmerksam folgt.

Stark heißt in der Auswahl der VHS vor allem beruflich erfolgreich. Die vielfach ausgezeichnete Hoppe hat sich mit ihrem melancholisch-fantastischen Erzählstil in die erste Liga deutscher Schriftsteller geschrieben. Für ihr Werk bekam sie 2012 den Georg-Büchner-Preis, den bedeutendsten deutschen Literaturpreis. Bei allem Erfolg gefällt der 59-Jährigen die Unterteilung der Frauen „in diese und jene“ gar nicht. „Jede geht ihren eigenen Weg“, sagt sie.

Starksein hat aus ihrer Sicht viel mit Startbedingungen zu tun. Felicitas Hoppe schöpft, wie sie sagt, vor allem aus ihrem Elternhaus, aus dem „Geliebtwerden ohne Anspruch auf Leistung“. Auch später, in der Schule (Hoppe war Schülerin der Vikilu), sei sie beim Schreiben nie ausgebremst worden. „Das spielt eine große Rolle.“

Wie wichtig ihr die Familie ist, die Heimat und auch der Rattenfänger, wird in ihrer fiktiven Autobiografie „Hoppe“deutlich, aus der sie unter anderem liest. Darin träumt sich Hoppe in eine Art Pippi-Langstrumpf-Kindheit, ohne Eltern, ohne Geschwister und mit dem Idol der ersten Verliebtheit in der Nachbarschaft. Es ist der kanadische Eishockeystar Wayne Gretzky. In seiner Heimatstadt Brandford flitzt sie mit ihm übers Spielfeld ihrer Fantasien, in die sich aber nach und nach der Rattenfänger, die Eltern und die vier Geschwister einschleichen. „Ich habe sie dann doch vermisst“, sagt Hoppe.

Ich hatte den Mund etwas vollgenommen, wollte nie eine Weltreise machen, das ist mir viel zu umständlich.

Felicitas Hoppe, Schriftstellerin

Zusammen mit ihnen hat Hoppe schon in der Kindheit Gedichte geschrieben. Sie stehen, handgeschrieben, in einem kleinen schwarzen Büchlein. Felicitas Hoppe hat die ganz frühe Hoppe mitgebracht und liest drei Kindheitsgedichte vor. Von den Geschwistern, sagt sie, habe sie eine Drei, eine Drei plus und und eine Zwei dafür bekommen.

Stark ist Hoppe nach eigener Einschätzung in Momenten, in denen sie über sich hinauswächst. So wie für ihre Weltreise auf einem Containerschiff, auf die der Roman Pigafetta folgte. „Ich hatte den Mund etwas vollgenommen, wollte nie eine Weltreise machen, das ist mir viel zu umständlich“, sagt sie. Aber weil sie nach der Auszeichnung für ihren Band „Picknick der Friseure“ immer wieder gefragt habe, was sie mit dem Preisgeld mache, habe sie eben irgendwann geantwortet. „Und dann musste ich.“ Dabei sind es Begegnungen, sagt Hoppe, aus denen sie Kraft schöpfe. Gleichzeitig sei es für sie aber auch immer Arbeit, in die Welt zu gehen.

Manchmal zieht sich Felicitas Hoppe auch in ihre Einsiedelei in den Walliser Alpen zurück, liest andere Bücher oder beschäftigt sich mit ihrer Lieblingskunst, der Musik. Und lässt einfach Zeit verstreichen. Man müsse nicht immer das Maximum ausschöpfen. „Ich habe mir eine gewisse Form der Ignoranz angeeignet“, sagt Hoppe. „Oder besser: Konzentration.“

In Hameln hat die seit 30 Jahren in Berlin lebende Schriftstellerin übrigens seit Mittwoch einen Koffer. Sie hat dem Museum das gewaltsam geöffnete Objekt überlassen. Vielleicht taucht er ja irgendwann in einer Geschichte auf.

Am 27. März, liest Bettina Szrama aus ihrem Buch „Das wilde Kind von Hameln“, Beginn ist um 18 Uhr im Museum.



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