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Ausstellung im Hamelner Kunstkreis

Faszinierende Linienspiele von Katrin Günther

HAMELN. Großformatige faszinierend-verwirrende Zeichnungen von Katrin Günther, Professorin aus Konstanz, zeigt jetzt der Hamelner Kunstkreis.

veröffentlicht am 10.09.2017 um 16:39 Uhr
aktualisiert am 10.09.2017 um 22:00 Uhr

Katrin Günther schafft Panorama-Zeichnungen, die verwirren und faszinieren. FOTO: Dana
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Autor

Richard Peter Reporter
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Spontaner und erster ungefilterter Eindruck: ein verwirrendes Gestrüpp an wirren Linien, Verstrebungen. Bildassoziationen. Zerstörungen, wie wir sie zuletzt in erschreckenden Bildern aus der Karibik erlebten. Aber auch: Ästhetik, die bei aller labyrinthischen Wirkung mit ihren Hell-Dunkel-Effekten eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Und Hamelns Kunstkreis, wie so oft ein idealer Raum für diese so einzigartigen Formate, gibt den Bildern Raum, ihrer solitären Stellung gerecht zu werden. Großformatige Panoramen in Schwarz-Weiß an der geweißten Ziegelstruktur der Wände. Das schafft Distanz – aufgelöst durch die Sog-Wirkung der Arbeiten von Katrin Günther, wie Dr. Victor Svec im Gespräch mit der Künstlerin zur Saisoneröffnung des Kunstkreises formulierte, „eine der bedeutendsten Zeichnerinnen in Deutschland“.

Zweifelsohne: Bilder mit verstörender Fern-Nah-Wirkung, deren innere Struktur, je näher man ihr kommt, sich zu Landschaften formen, urbane Bauten. Mit faszinierenden Details Architektur in immer neuer Zusammensetzung. „Schuss“ – der Titel eines dieser Panorama-Gebilde, das auf der Einladung präsentiert wird und nichts mit Projektilen zu tun hat, wie Günther in ihrem Gespräch mit Svec erklärt – vielmehr einer gezielten Perspektive zur Mitte hin. Und sportlich assoziiert: „Schussfahrt mit Kontrollverlust“, wie sie sagt, „ein unübersichtliches Gebiet.“ Chaos, Verwirrung, bewusst verwirrend, und das als lustvolles Element.

Faszinierende Vielfalt diese Mischung aus Chaos und Ästhetik von verstörendem Gewirr und Aussparungen als Ruhepunkte im steten Spannungsverhältnis. Und dann und wann ein weißer Elefant, wie es in einer Gedichtzeile heißt – und bei Günther ein irritierendes Blau ist. Farbspur im stringenten Schwarz-Weiß mit Grautönen.

Und ein Strich geradezu als Ur-Element für alle Bilder dieser so vielschichtigen Künstlerin. Egal welches Format: Es beginnt mit einem Strich. Keine Skizze, kein Plan. Ein Strich willkürlich gesetzt. Sozusagen: Es werde Strich. Der einmal gesetzten Linie folgen weitere, die sich zunehmend verbinden, zum Bild werden. Intuition, spontan ausgelebte Kreativität, die sich verdichtet. Vorbild Piranesi mit seiner so architekturlastigen imaginären Kerkerwelt aus Treppenorgien und imaginärer Kerkerwelt, wie er sie in seinen „Carceri“ so alptraumhaft darstellte. Was ihn mit Günther verbindet: Piranesi hat seine Arbeiten gerne mit „Architetto“ signiert – und ein Architekturstudium stand auch am Karriere-Anfang der so eigenwilligen Zeichnerin. An ihrer Professur in Konstanz schätzt sie vor allem die Arbeit mit Erstsemestern, deren oft irrwitzige Ideen, Herangehensweisen so völlig frei von Konventionen sie immer wieder begeistern und inspirieren. Sie nur insofern vor Probleme stellt, als sie ihren Studenten erklären muss, was sie so intuitiv schöpferisch verwirklicht.

Umrahmend, dazwischengeschoben und perfekt illustrierend die musikalische Begleitung mit Paul Donatus und Wolfgang Ernst mit Jazz- und E-Gitarre. Und besonders hervorzuheben, das Engagement der Stiftung Sparkasse Hameln-Weserbergland, die diese so außergewöhnliche Ausstellung wesentlich unterstützt.

Eine bedeutende, inspirierende Schau, perfekt inszeniert, die für Hameln nichts weniger als ein Ereignis und Glücksfall ist.


Öffnungszeiten: Die Ausstellung „Schuss“ im Kunstkreis Hameln (Rathausplatz 4) ist bis Freitag, 20. Oktober zu sehen: dienstags, mittwochs, freitags, samstags 10 bis 13 Uhr, donnerstags 16 bis 19 Uhr, sonntags 11 bis 14 Uhr.

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