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Sängerin Malia zieht ihr Publikum im Pavillon in ihren Bann

Fast steht die Luft unter Strom

Hannover. „Wenn man das Publikum in seinen Bann gezogen hat, spürt man es, denn dann ist es, als ob die Luft unter Strom steht“, schreibt Nina Simone in ihrer Autobiografie. Der Bürgerrechtskämpferin Nina Simone widmet die aus dem südostafrikanischen Malawi stammende Malia sowohl ihre CD „Black Orchid“ als auch das Programm. In der „Songbirds“-Reihe stellt sie es am Dienstagabend im Pavillon vor: mit Liedern, die Simone, die sich als Folk- und Bluessängerin, nicht aber als Jazzinterpretin sah, die Soul und Gospel wie klassisches Klavier beherrschte, gesungen, mitunter auch geschrieben hat.

veröffentlicht am 14.03.2012 um 16:24 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 13:41 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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Malia hat Segregation und Rassismus in der ehemaligen britischen Kolonie kennengelernt. Sie kritisiert die Monopoly-Mentalität westlicher Konzerne. Explizite Gesellschaftskritik überlässt sie allerdings den Songtexten. In Zeiten eines farbigen US-Präsidenten mögen sich diese heute anders lesen, „Four Women“ beispielsweise als Emanzipationsballade. Das entschleunigte „My Baby Just Cares For Me“ wird durch den Vers „Scarlett Johansson is not his style“ aktualisiert und richtet den Fokus auf das zeitlose Liebesbekenntnis. Besonders gelingt Malia mit ihrem französischen Trio Randy Newmans „Baltimore“, das sich eingangs auf kaum variierte Pianoakkorde, Jean-Daniel Bottas verhalten gezupften Bass und dezentes Besenschlagzeug beschränkt, um sich im Mittelteil zur Klimax zu steigern und danach wieder in die Eingangsstimmung hinabzugleiten. Man meint eine Welle verebben zu hören, einen Möwenschrei aus weiter Ferne.

Malias Stimme kann kindlich-verspielt, besinnlich-erwachsen, lebenserfahren-kratzig, erotisch-gurrend klingen. Ein Kippen in das Rauchige einer Billie Holiday ist einkalkuliert. Soulpop, den Malia versucht hat, gibt es mit dieser Triobesetzung nicht. Dafür ein wenig Voodoo-Zauber mit Klirrtönen aus Alexandre Saadas wohlpräpariertem Flügel in „I Put A Spell On You“ und Laurent Sériès’ perkussives Pulsieren in „Marriage Is For All Folks“, Afrika ganz nah. Malia live: Das heißt mehr Jazz, mehr Gefühl als aus der Tonträgerkonserve. Vielleicht steht die Luft im Pavillon nicht unter Strom, in ihren Bann zieht Malia ihr Publikum aber allemal.

In Hannover beginnt ihre Tournee, am Samstag macht sie noch einmal im Mindener Jazzclub Station: Malia. Foto: jed



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