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Fast schwerelos dem Rhythmus hingegeben

Hameln. Das balletthagen mit seinem Choreografen Ricardo Fernando - auf Hamelns Bühne schon längst heimisch - überzeugte am Sonnabend erneut mit einer faszinierenden Leistung mit "Shortcuts". In vielen kleinen Episoden setzt sich Fernando mit dem ewigen Thema Mann und Frau auseinander. Den Mitteleil der dreiteiligen Aufführung choreografierte Nils Christe, dessen Ballette auf der ganzen Welt gezeigt werden.  In der Kritik von Richard Peter heißt es: "Fast schwerelos, wie sich die Tänzer dem Rhythmus hingeben, scheinbar auf den Tönen schweben".

veröffentlicht am 08.01.2012 um 15:01 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:21 Uhr

kultur
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Von Richard Peter

Hameln. Nomen est omen: „Shortcuts“ – denn die bestimmen diesen Ballettabend des „balletthagen“ mit drei faszinierenden Choreografien. Episoden, kleine Szenen, Spotlights. Minimalistik, die plötzlich opulent wird, getragene Bewegungsabläufe, die unvermittelt in orgiastischen Tänzen münden.
 „Präludium zu einem Requiem“ von Ricardo Fernando zum Streichquartett N. 2, op. 64, „ Quasi una Fantasia“ des schlesischen Komponisten Henryk Mikolaj Górecki, der erst spät zu Weltruhm gelangte. „Lebende Bilder“ zur Einstimmung. Drei verschiedene Gruppen auf der Bühne, ein Quartett, zentral auf einem kleinen Podest, dann zwei Männer und eine Frau, die an einer begehbaren Sprossenwand postiert sind und ein Paar mit fahrbarer Tür.
 Erst nach und nach lösen sich die Tänzer, die bei aller Gleichzeitigkeit ganz eigene kleine Geschichten erzählen und das ewige Thema Mann und Frau variieren. Ganz gezielt setzt Fernando Akzente, lässt sich von der Musik tragen. Dann: Dynamischer Geschlechterkampf – Frauen gruppe gegen die Männer mit einer grandiosen Steigerung, die plötzlich abebbt und zur Ausgangsposition zurückführt.
 Nach dem Präludium: „Kleines Requiem“, dem noch ein „für eine Polka“ angehängt ist, ebenfalls von Górecki in der Choreografie von Nils Christe, weltweit bekannter Choreograf und langjähriger Solist beim Nederlands Dance Theater, für das er später prämierte Ballette schuf und in einem Interview bekannte: „Was man heute als Tänzer alles können muss, übersteigt meine tänzerischen Fähigkeiten bei Weitem!“
 Für sein kleines Requiem hat er sich von Thomas Rupert eine Art Bank, fast über Bühnenbreite, bauen lassen, die gedreht werden kann. Auch Christe schafft sich einen Rahmen. Eine junge Frau am Ende der lang gezogenen Bank, die vom Ensemble, das einzeln nach und nach auf die Bühne kommt, gedreht wird.
 Röhrenglocken und Klavier schaffen eine schwebende, bedrückende Stimmung, die durch die Violine noch verstärkt wird – dann Dissonanzen. Auch hier eine aufwühlende Steigerung und bewundernswert die Musikalität von Christe. Fast schwerelos, wie sich die Tänzer dem Rhythmus hingeben, scheinbar auf den Tönen schweben. Schwierigste Figuren und Hebungen, komplizierte Sprünge und eine geradezu sensationelle Körperbeherrschung zeichnen diese Choreografie über Liebe, Trauer, Aufbegehren und Versöhnung aus.
 „Drumming and Voices“, das dritte Stück zu Musiken von Philip Glass, Uakti und Gjallarhorn, wieder in der Choreografie von Fernando mit eigenwilligen Bearbeitungen von Mozart, Ravel und Bach. Am wenigsten überzeugend der Mozartpart mit dem Männerensemble, das die quirlige Passage aus der Sonate KV 331 verhampelt – dafür umso reizvoller Ravels „Bolero“ auf einige Trommeleffekte verfremdet – Uakti hat sich dazu sein eigenes Instrumentarium geschaffen – und den Damen der Compagnie.
 Höhepunk ganz sicher das Solo von Péter Matkaicsek zur Bach-Vorlage und in „Waiting for the Barbarians“, Szene 2, nach Philip Glass mit Lara Lioi und Marcelo Moraes mit vielen klassischen Anleihen und raffinierten Verschlingungen. Ein verführerischer „Pas de deux“.
 Zu Recht Jubel beim Publikum des Hamelner Theaters am Samstagabend für alle drei Choreografien und jede Menge Bravo-Rufe und rhythmisches Klatschen.



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