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Werke von Josef Apportin in der arche

Farbklänge, die den Kosmos zum Schwingen bringen

Hameln. Seine Bilder singen, transportieren Töne, setzen dunkle, wuchtige Klänge neben filigrane, heitere Melodien: Josef Apportin hat die Musik auf die Leinwand gebracht, lässt sie brausen und perlen, sanft dahinfließen und explodieren. Er macht sie sichtbar – „die geheimen Werte der Farbklänge“. So auch der Titel der Ausstellung in der Galerie arche, die am Freitagabend eröffnet wurde und viel Publikum zur Vernissage lockte. Denn: „Appo“, dieses Urgestein der heimischen Kunstszene, hat auch mit 87 Jahren nichts von seiner künstlerischen Vitalität eingebüßt, malt und malt, mit großer Geste und gewaltigem Schwung, zunehmend auf kleinen Formaten, gegen die er sich so lange gewehrt hatte. „Der große Appo liebte es nun mal groß“, sagte Richard Peter in seiner Eröffnungsrede, um festzustellen: „Das hat sich geändert. Vermutlich, weil im Alter alles etwas kleiner wird. Einfach schrumpft. Die Schritte, die Bewegungen – die Räume. Alles wird enger.“ Aber, so Peter, was sich Appo nie habe vorstellen können, seine gestischen Kalligramme, Skripturen und Meditationsbilder fesseln genauso im kleinen Format, sein „Action-Painting“ funktioniere auch mit minimaler Aktion.

veröffentlicht am 26.07.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 23:41 Uhr

Josef Apportin (rechts) bei der Eröffnung seiner Ausstellung in

Autor:

Karin Rohr
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Nicht mehr geheim, sondern öffentlich gemacht, und für jeden sichtbar: Appos „geheime Werte der Farbklänge“, ein Kosmos aus Dynamik, Rhythmus und Farbe, eigenwillig auf Papier und Leinwand gebracht – mit wuchtigen Pinselhieben, zarten Linien, tanzenden Tupfern und eindrucksvollen Farbklecksen, die wie Fixsterne am Firmament stehen. In einem Kosmos, der ständig in Bewegung ist. „Alles Reale – aufgelöst in Schwingungen“, sagte Richard Peter und sprach von Bildern, die vom Betrachter eine völlig neue Sehweise verlangen und die „Bereitschaft, sich auf das ihm unbekannte Vokabular als Zeicheninformation einzulassen.“

Ein virtuoser Auftritt vieler „Instrumente“

Der Kosmos – s e i n Kosmos – hat es Apportin angetan. Er ist geradezu besessen von ihm. Die Bildtitel spiegeln die Obsession des Künstlers: „Kosmische Klänge“, „Kosmische Gesänge“, „Kosmische Rhythmen“, „Kosmische Dynamik“, dazwischen auch ein „Schwarzer Planet“. In den Farbsymphonien, die Apportin inszeniert, haben viele „Instrumente“ ihren virtuosen Auftritt: der dunkle Bass, die helle Flöte, die feurige Geige und die sanfte Harfe, das schmetternde Horn, der gewaltige Paukenschlag. Ein Zusammenspiel, das nicht zwingend die Harmonie sucht, sondern voller Übermut auch gern in Dissonanzen schwelgt.

Entladen sich eben noch spannungsvolle Farbklänge wie ein Gewitter über den Betrachter, so wird er beim nächsten Bild aufgesogen – hineinkatapultiert in eine Welt aus kreisenden „Planeten“, in ein Dickicht aus massigen, schwarzen Pinselstrichen, in ein Gespinst aus feinen, filigranen Linien. Schreiende Farbigkeit, verhaltene Töne, erdrückende Dichte, schwerelose Leichtigkeit, Dramatik und Kontemplation – in Apportins Kosmos ist alles möglich. Und alles gewollt. Wichtig ist ihm, wie Peter sagte, „die Freiheit, die nicht an Formen gebunden ist.“ Und: „Entscheidend“, so Appo, „ist die Farbwirkung, nicht die Farbwirklichkeit.“ Und die Farbklänge, deren geheime Werte jeder Betrachter in dieser Ausstellung für sich entdecken mag.

An den beiden Klavieren: Gerd und Gisela Apportin – in der
  • An den beiden Klavieren: Gerd und Gisela Apportin – in der Mitte, sitzend, Josef Apportin und die arche-Vorsitzende, Annemarie Hodges. Fotos: nls

Da passten ganz reale Klänge zur Ausstellungseröffnung wunderbar ins Konzept, als Gisela und Gerd Apportin mit Darius Milhauds „Scaramouche pour deux pianos“ den musikalischen Rahmen schufen: „Da sind viel Kakophonie, Jazz- und klassische Elemente drin – wie in den Bildern meines Vaters“, erklärte Gerd Apportin.

Die Ausstellung „Die geheimen Werte der Farbklänge“ von Josef Apportin ist bis zum 23. August in der Galerie arche am Haspelmathturm zu sehen. Öffnungszeiten: Mi.: 11 bis 13 Uhr, Sa.: 10 bis 13 Uhr, und So.: 11 bis 14 Uhr.



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