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Daniel Schmahl und Matthias Eisenberg stimmen im Münster auf die Adventszeit ein

Fantastisch und voll musikalischer Festlichkeit

Hameln. Daniel Schmahl ist ein Spitzentrompeter. Ein Musikprofi durch und durch, der selbst sieben Minuten vor Konzertbeginn noch Zeit für einen unaufgeregten Plausch findet. „Hameln? Nette Altstadt, tolles Publikum“, sagt der 45-Jährige höflich, um mit fachlichem Ernst hinzuzufügen: „Super-Betreuung und vor allem ein phänomenaler Klangraum. Wir sind begeistert.“ Wir, das ist neben Schmahl auch Matthias Eisenberg, ehemaliger Gewandhausorganist, Kantor, Professor, Kirchenmusikdirektor. Der füllige Organist keucht drei Minuten vor Konzertbeginn die steile Stiege hoch, lässt sich auf einen Hocker fallen, schnauft tief durch, zieht sein schwarzes Hemd über und zwängt sich auf die Sitzbank vor der Orgel. Eine halbe Minute Konzentration, ein Blick zu Daniel Schmahl, ein Nicken, das Konzert kann beginnen.

veröffentlicht am 29.11.2010 um 16:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 08:41 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Zum Einsatz kommen neben der 30-jährigen Marcussen-Orgel des Münsters gleich drei Blechblasinstrumente. Die klassische Trompete, die Irmgard Langhorst in ihrer Einführung als „das Instrument der Verkündigung“ vorstellt, sowie das Flügel- und das Piccolohorn. Das habe seine Blütezeit am Hofe des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. gehabt, erklärt Schmahl, während der „Flügelmeister“ mit dem Horn barocke Jagdgesellschaften koordiniert habe.

Voll barocker Festlichkeit auch das Programm: Baldassares „Sonate in C-Dur für Trompete und Orgel“, in klarer, dialogisierender Formensprache. J.G. Walthers „Concerto del Signor Albinoni in F-Dur“ mit einem kleinen, kostbaren Adagio. Dann, als Glanzstück, die Bachsche „Air“ aus der dritten Orchestersuite für Flügelhorn und Orgel. Schmahls Ansatz ist kongenial, meidet die gerade bei diesem Stück lauernde Gefahr einer Überemotionalisierung und reduziert es wie auch Eisenberg an der Orgel auf seine ergreifend schlichte Schönheit. Dankbare Blicke des Publikums gehen nach oben Richtung Orgelempore. Und der Zuhörer fragt sich, wie viel Bach eigentlich in Miles Davis steckt. „Im Sommer spiele ich nämlich meist Jazz“, so Schmahl, der als Grenzgänger zwischen alter Musik und Moderne stets auf der Suche nach neuen, ungewöhnlichen Interpretationsmöglichkeiten ist.

Eisenberg entfesselt derweil die tonale Gewalt der Bachfuge Nr. 532, um nach Orgelimprovisationen über drei Weihnachtslieder zusammen mit Schmahl mit dem großen Händelschen „Gloria“ den dramatischen Schluss- und Höhepunkt unter ein rundum fantastisches Konzert zu setzen. Der anhaltende Applaus galt auch dem Team des Arbeitskreises Kirchenmusik, das nach zweijährigem Bemühen diese beiden Spitzenmusiker hatte verpflichten können.

Bildeten mit ihrem Konzert den glanzvollen Abschluss der Festlichkeiten zum 30. Geburtstag der Marcussen-Orgel im Münster: Matthias Eisenberg und Daniel Schmahl.

Foto: eaw

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