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Fantasievoll fantasierte Fantasien

Hameln. Überraschend allemal, was Frank Popp mit "Mein Museum - auf Sockel, Wand und Boden" seit Samstagnachmittag im Kunstkreis bietet. Fülle und Vielfalt wohin man schaut. Eine Welt für sich diese "permanente Sammlung", die Popp im Laufe der Jahrzehnte angesammelt, umgeformt und neu belebt hat. Ein fantasievoller Künstler, der seinen Fundstücken neues Leben einhaucht. Da werden aus Schraubenziehern Arme, aus Bildern von Arbeitspferden eine Collage einer längst vergangenen Zeit. Eisblumen, die es heute kaum noch gibt, werden erinnert - über 800 Absätze von Schuhen gewinnen eine neue Identität.

veröffentlicht am 10.11.2013 um 15:18 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 21:41 Uhr

ku
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Hameln. Keine Eröffnung „as usual“ am Samstagnachmittag im Kunstkreis für Frank Popp und „Mein Museum – auf Sockel, Wand und Boden“ – und alles ein bisschen anders, ungewohnt und chaotisch, so sehr der Objektkünstler und Professor aus Hannover die Massen, die er in Jahrzehnten gesammelt, gehortet und neu geformt hat, penibel organisiert. Skulpturen, die er Figuren nennt, Anhäufungen von Fundstücken, Bilder, Fotos, Eisblumen und eine Gitterdraht-Figur im Atrium, die er noch schnell mit Eiswürfeln füllt. Eine Show-Einlage, bei der purer Zufall die Regie führt – aber allemal: Sinnbild für Vergänglichkeit – und die dramatische Schmelze am Pol visualisiert.
 Selbst die Rede des Kunstkreis-Vorsitzenden Klaus Arnold, diesmal nicht am Stück, unterbrochen von Joel Enß mit Mussorgskis 1. Promenade aus „Bilder einer Ausstellung“. Anstelle einer Einführung, ein eigenwilliges Gespräch zwischen Robert Hertrich mit Frank Popp. Und auch das wie zufällig, improvisiert. Gegenstück und Ergänzung zu den gezeigten Fantasiewelten, dieser gesammelten Fülle und Vielfalt, die gleichermaßen anzieht, fasziniert und verwirrt.
 „Was soll das?“ als Frage und „Was will das für ein Stil sein?“ – und an Popp gerichtet: „Was fasziniert Dich?“ Dessen Credo ein schlichtes: „Verbindungen schaffen“. Was Popp, wie sich im Gespräch herausstellt, weniger mag: „Sammelsurium“ als Begriff – auch wenn er ein bedeutsames Sammelsuriumwerk hier ausstellt. Von einem ist der Künstler überzeugt: „Jeder Mensch ist kreativ“ – und nicht nur auf die Kunst bezogen. Auch Kochen fällt in diese Kategorie.
 „Spiel“ spielt eine große Rolle im Werk des Künstlers und seine Fähigkeit, Dinge abstrakt zu betrachten. Seine Vorliebe für Puppen – von Hertrich als „Verpuppung“ ins Gespräch gebracht, stößt bei Popp durchaus auf Gegenliebe, bevor er ein klares Bekenntnis liefert: „Ich liebe Kitsch“. Eine Welt für sich, diese „permanente Sammlung“, die wächst, auch mal abnimmt, sich verändert – wie das Eis in der Gitterdraht-Figur, das während der Eröffnung zu schmelzen beginnt. Veränderung signalisiert.
So ist Popp, der Sammler und Bewahrer eine Art „Don Quichote“ gegen unsere Wegwerfmentalität. Und fantasievoller Künstler, der seinen Fundstücken neues Leben einhaucht. Da werden aus zwei ausgemusterten Schraubenziehern Arme, aus Bildern von Arbeitspferden die Collage einer längst vergangenen Zeit. Eisblumen, die es heute kaum noch gibt, werden erinnert – über 800 Absätze von Schuhen gewinnen eine neue Identität. Und selbst die älteste Skulptur der Ausstellung von 1961, einst „Fetisch eines afrikanischen Schrottsammlers“ verändert ihren Namen, wird zu „Schrom“.
 Zu wünschen: Zeit – viel Zeit für Spurensuche. Denn eines ist sicher – so vertraut einem die Sammelstücke auch erscheinen: Im Vorbeigehen ist dieses „Museum“ nicht zu erobern.

u Bis 15. Dezember, Di. bis Sa. 10 bis 13 Uhr und So. 11 bis 14 Uhr geöffnet.

Frank Popp (links) im Gespräch mit Robert Hertrich Waldeck


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