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Schau gibt intime Seiten des Sängers preis

Falco ganz privat in Hannover

HANNOVER. In der Villa im Waldviertel, wo Österreichs größter Popstar Falco Ruhe suchte, ist die Zeit stehengeblieben. Nach dem frühen Unfalltod des exzentrischen Künstlers 1998 beließen die Nachlassverwalter alles so, wie es war. Falcos Bassgitarre, eine goldene Schallplatte und viele andere persönliche Dinge aus der Jugendstil-Villa sind seit Freitag erstmals öffentlich zu sehen. Unter dem Titel „Falco, in Gars am Kamp“ zeigt das Theatermuseum Hannover rund 100 Exponate aus dem Privatbesitz des Schöpfers des Welthits „Rock me Amadeus“, der als ein Urvater des weißen Rap gilt.

veröffentlicht am 19.10.2018 um 16:14 Uhr

Museumsdirektor Carsten Niemann hält in der Ausstellung „Falco, in Gars am Kamp“ im Theatermuseum ein Plakat mit einem Porträt des verstorbenen Musikers Falco. Foto: dpa

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Christina Sticht

„Es gab die Kunstfigur Falco mit der Arroganz, dem Wiener Schmäh, die spielte er gern“, sagt Ausstellungsmacher Carsten Niemann. „Und es gab Hans Hölzel, der in Gars fast spießig lebte, zeitweise Schlafzimmer an Schlafzimmer mit seiner Mutter Maria.“ In der Küche dort stehen heute noch zwei Goldrand-Tassen mit der Aufschrift „Hansi“ und „Maria“. Fotografien des Österreichers Niko Havranek und eine Filmreportage geben Einblick in den Rückzugsort des Musikers 80 Kilometer entfernt von Wien.

„Ich bin ein Grenzgänger“, sagt Falco in einem Radiointerview zu seinem 40. Geburtstag, das aus einem Ghettoblaster an einer Hörstation tönt. „Die Balance darf ich gar nicht finden, sonst wär ich ja kein Künstler.“ Kein Jahr nach diesem Gespräch ist Falco tot, er stirbt betrunken und zugekokst am Steuer seines Geländewagens in der Dominikanischen Republik.

Ronald Seunig, Vorsitzender der Falco Privatstiftung, erinnert sich in einem TV-Interview an seinen engen Freund und dessen Probleme, dauerhafte Beziehungen mit Frauen zu führen. Falco sei weder verzweifelt noch zerbrochen gewesen, betont der Verwalter des Nachlasses. Die Selbstmord-Gerüchte nach Falcos Tod seien Stuss. „Das hätte er seiner Mutter nie angetan.“

Die Ausstellung zeigt viele persönliche Gegenstände aus der Jugendstil-Villa der Poplegende, darunter eine Goldene Schallplatte. Foto: dpa
  • Die Ausstellung zeigt viele persönliche Gegenstände aus der Jugendstil-Villa der Poplegende, darunter eine Goldene Schallplatte. Foto: dpa
In der Ausstellung sich zwei Goldrand-Tassen mit der Aufschrift „Hansi“ und „Maria“ zu sehen. Foto: dpa
  • In der Ausstellung sich zwei Goldrand-Tassen mit der Aufschrift „Hansi“ und „Maria“ zu sehen. Foto: dpa

Im April 1986 stand Falco mit „Rock me Amadeus“ vor Prince mit „Kiss“ und den Bangles an der Spitze der US-amerikanischen Billboard-Charts – keinem deutschsprachigen Künstler gelang das davor und danach. Diese Charts hängen ebenfalls gerahmt in der Villa und sind jetzt in Hannover zu sehen. „Ich war bei einem Essen in Wien dabei, als sein Manager ihn anrief und sagte „Du bist die Nummer eins!““, erzählt Falcos Biograf Peter Lanz der dpa. „Alle feierten mit Champagner, Hans wurde sehr ruhig. Er wusste, dieser Moment kommt nie wieder.“

In Österreich sei Falco immer präsent gewesen, in Deutschland erkenne man jetzt erst seine Qualität und das Spektakuläre, meint Lanz. „Er hat es geschafft, den Rap in der deutschen Sprache zu etablieren – im Maßanzug mit Sonnenbrille und gegelten Haaren statt in Jogginghose und Gangsterpose.“

Die bis zum 17. März laufende Ausstellung bietet auch die Möglichkeit, in die 80er Jahre einzutauchen. Falco erzählt in einer Talk-Show mit Joachim Fuchsberger offen von seinen häufigen Abstürzen. Auch der „Niedergang des Schallplattengeschäfts“ ist Thema. Es werde zu viel manipuliert und am Reißbrett kreiert, kritisiert der damals 29-jährige Sänger. „Uns fehlen Typen, die tun, was sie wollen.“


Das Theatermuseum in Hannover ist Dienstag bis Freitag und Sonntag von 14 bis 19.30 Uhr geöffnet. Montags, samstags und an Feiertagen ist es geschlossen. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro. Mit einer Theaterkarte gibt es am Tag der Vorstellung freien Eintritt.



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