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Neue Ausstellung im Sprengel-Museum

„Fake News“ aus der eigenen Sammlung

HANNOVER. Unter dem Titel „Fake News“ präsentiert das Sprengel Museum in einer neuen Ausstellung als Fälschungen eingestufte Werke aus der eigenen Sammlung. Damit soll sichtbar werden, was in Museen hinter den Kulissen etwa beim Erstellen von Werkverzeichnissen und bei Provenienzrecherchen geschieht, teilte das Haus jetzt in Hannover mit.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 14:31 Uhr

Der Gegenwartskünstler Dirk Dietrich Hennig – auch bekannt als Schwitters-Fälscher C.G. Rudolf (1912-2012) – steht vor einer Schwitters-Fälschung in der Ausstellung „Fake News“ im Sprengel Museum. Dort werden jetzt als Fälschungen eingeschätzte Werke

Autor:

Christina Sticht

Üblicherweise würden derartige zweifelhafte Werke in den Depots versteckt. In einer begleitenden Broschüre wird zu jedem Fall der aktuelle Forschungsstand erläutert. Teilweise dauert die Überprüfung der Echtheit einer Arbeit Jahrzehnte.

Zu sehen ist unter anderem ein gefälschtes Stillleben von Max Beckmann, das aus dem Jahr 1935 stammen soll. 2005 stellten mehrere Experten bei einer Analyse aber fest, dass das Aquarell eine Fälschung war, unter anderem wegen der untypischen Beckmann-Signatur. Auch eine fälschlicherweise Alberto Giacometti zugeordnete Skulptur hat das Museum seit 1966 in der Sammlung, die Witwe des Künstlers erhob bereits 1971 Zweifel an der Echtheit.

Der Untertitel der Ausstellung „Original + Fälschung + Kopie + ...“ erinnert an eine legendäre Ausstellung von Sigmar Polke. Der deutsche Popkünstler hatte 1973 im Westfälischen Kunstverein eigene Bilder und selbst hergestellte Fälschungen gegenübergestellt.

Seit den 1960er Jahren diskutieren Künstler verstärkt den Originalbegriff und die Urheberschaft. Als Beitrag zu dieser Diskussion sind drei Werke eines erfundenen Fälschers namens C.G Rudolf (1912-2012) zu sehen, der angeblich den berühmten Avantgarde-Künstler Kurt Schwitters kopierte. Rudolfs Biografie wiederum ist frei erfunden – vom Gegenwartskünstler Dirk Dietrich Hennig. Nicht zuletzt seit dem Fall um Wolfgang Beltracchi sind die Hüterinnen und Hüter der Kunstsammlungen in Deutschland alarmiert: Nahezu jede Sammlung enthält Werke, die aus verschiedenen Gründen gefälscht, kopiert, neu gegossen oder neu abgezogen wurden. Die medienwirksamen Fälle wie Beltracchi sind dabei die kunsthistorisch am wenigsten interessanten – das zeigen auch die Beispiele aus dem Sprengel Museum, von denen einige irrtümlicherweise über Jahrzehnte hinweg als fragliche Originale gezeigt wurden. Verschiedene Werke, von prominenten Urhebern wie Giorgio de Chirico, Alberto Giacometti, Oskar Kokoschka, Max Beckmann und Wols, die sich nach bisheriger Beweislage als Repliken, Fälschungen und Kopien erwiesen haben, werden im dritten, kabinettartigen, Saal des Erweiterungsbaus präsentiert. Zusammen mit diesen Werken werden auch einige Originale der Künstler gezeigt.

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