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Mahnmal für die Natur: Maria Fieseler-Roschat in der Galerie arche

Expeditionen ins Tierkunstreich

Hameln. Gekrümmt liegt der flauschige Tiermensch in Säuglingsgröße mitsamt schwarzem Kopf in der Fensterbank. Neben ihm steht ein verlassener Käfig. Wie an einer traurigen Geburtstagsgirlande hängen die in Plastiktüten verpackten kleinen Fische in Reih und Glied. Über dem Eingangsbereich krabbelt ein überdimensionaler Parasit an der Mauer entlang. Und ein mit Gebiss versehener Fischkörper auf Rollen scheint bloß darauf zu warten, durch die Galerie gezogen zu werden. Doch von gestreifter Tigerenten-Niedlichkeit ist er weit entfernt.

veröffentlicht am 08.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 15:41 Uhr

Ihr Schwerpunkt sind Installationen: Maria Fieseler-Roschat mit

Autor:

Julia Marre
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„Exótica“ heißt die Ausstellung, die Maria Fieseler-Roschat am Freitagabend in der Galerie arche am Haspelmathturm eröffnete. Exotik, das aber ist für die Hannoveraner Künstlerin keineswegs ein harmonischer Garten Eden, ist kein romantisiertes Ideal von wilder Natur. Exotik bedeutet für die geborene Uruguayanerin die fragile Realität, die sie in ihren Werken zu reflektieren versucht. Und in denen sich vieles entdecken lässt.

Da zeigt sie reliefartige Malerei in Triptychon-Stil, die manches andeutet, einiges nachahmt und nicht bloß aus Biologielexika kopiert. Ist das ein Schmetterlingsflügel? Ein Käfer? „Ich liebe Strukturen“, sagt die Künstlerin, die für die Serie „Hasta cuándo/ Wie lange“ ihre Farbpalette auf Ocker- und Grautöne reduziert hat. Mit Marmormehl oder Strukturpaste gibt sie ihren Bildern von Mikroorganismen, Plankton und Bakterien Tiefe. „Besonders spannend finde ich die Frage, wie die Natur auf das Eingreifen des Menschen reagiert“, erklärt Maria Fieseler-Roschat beim Betrachten ihrer selbst mutierten „Mutantes“. Zudem fasziniert sie die „tierische Seite des Menschen“, wie sie sagt.

Nicht ohne Grund wünschte die arche-Vorsitzende Annemarie Hodges den Besuchern beim Betrachten der Werke „Freude mit Unbehagen“. Zwar dominieren warme Erdtöne und Materialien aus der Natur, doch vermitteln die mahnenden Installationen mitunter einen kühlen Eindruck. Verspielt hingegen gibt sich Maria Fieseler-Roschat mit ihren „Parasiten“: überdimensionalen Vergrößerungen, die aus Silikonstreifen, Plastikbechern und Spülbürsten gefertigt sind. Ein durchdachtes Kuriositätenkabinett scheint die Ausstellung zu sein: Kunst mit Inhalt von einer Künstlerin mit Talent.

Zu sehen sind die Werke Maria Fieseler-Roschats in der Galerie arche, Kastanienwall 12, bis zum 29. November, immer mittwochs von 11 bis 13, samstags von 10 bis 13 und sonntags von 11 bis 14 Uhr. Im Internet: www.kuenstlergruppe-ar che.de

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