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Viel Szenenbeifall für das Kultstück nach dem Roman von Heinrich Spoerl

Erwärmende „Feuerzangenbowle“ zum komödiantischen Jahreswechsel

Hameln. In Hameln herrscht am Silvesterabend tiefster Winter. Da freut man sich auf eine Herz und Magen erwärmende Feuerzangenbowle, und die wird im Theater Hameln gleich zweimal hintereinander zelebriert und ausgeschenkt. Der Weg dorthin durch verschneite und noch nicht geräumte Straßen ist allerdings beschwerlich, doch das Haus ist trotz etlicher Absagen gut besetzt.

veröffentlicht am 01.01.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 12:21 Uhr

Autor:

E. W. Holländer
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An was denkt man, wenn man den Titel „Feuerzangenbowle“ hört? Natürlich an jenen Film von 1944 mit Heinz Rühmann, Erich Ponto, Paul Henckels und anderen damals großen Darstellern. Ein Kultfilm zweifellos.

Und nun gastiert das Altonaer Theater mit einer Bühnenfassung des all dem zu Grunde liegenden, köstlichen Romans von Heinrich Spoerl. Der Bearbeiter Wilfried Schröder hält sich an die Vorlage, steuert aber durchaus gelungene Zutaten bei, und Regisseur Axel Schneider hat offenkundig Freude daran, dieses immer wieder begeisternde, anrührende und irgendwie auch glaubhafte Stück mit einem kleinen, aber feinen Ensemble zu inszenieren, allerdings zugeschnitten auf die Bühnenverhältnisse am Altonaer Theater, nicht aber auf die in Hameln, denn die sind problematisch und haben akustische Tücken.

Schneiders Bühnenbild eines Klassenraums zwingt die Darsteller oft, nach hinten zu agieren und zu sprechen, und das Pult steht weit im Hintergrund. Da ist es mit der Textverständlichkeit nicht weit her. Schade, denn so manche Pointe geht verloren, und es ist nur gut, dass man das Stück vom Roman und vom Film her recht gut kennt.

Dabei wird frisch und fröhlich, gut gelaunt und manchmal berührend gespielt, auch bis hin zum Tumult. Der „Schnauz“ würde da wohl sagen: „Sä sänd etwas albern!“

Die Darsteller müssen sich natürlich an den großen Vertretern im Film messen lassen, und sie meistern es durchaus. Ulrich Meyer-Horsch macht aus der Paraderolle des Hans Pfeiffer so gut wie alles, ist eben dieser „Flägel“, nur die Maskerade am Ende gelingt nicht so ganz. Seine Mitschüler finden in Markus Mössmer, Guido Bayer, Rune Jürgensen, Marc Felske, Christoph Mannhardt und Lars Ceglecki treffende, oft akrobatisch agierende Vertreter.

Und dann die Herren Professoren: Heinz Lieven („Bömmel“) und Johann Christof Wehrs („Schnauz) haben es leider schwer mit Dialekt und gezierter Sprechweise sowie oft im Hintergrund wirkend. Besser hat es da Klaus Falkbauer als Direktor Knauer, weil gut verständlich. Geradezu Kabinettstücke bietet Hannelore Droege als liebenswerte Frau Windscheid und als skurrile Schulrätin, und Sarah Diener gibt die so gegensätzlichen Frauentypen Eva Knauer, hübsch und forsch, sowie Marion, glaubhaft empört, sehr eindrucksvoll. Die Aufführung erhält durch nett arrangierte Liedbeiträge viel Witz: da wird das Volksgut fast liebevoll „auf die Schippe genommen“.

Im Publikum finden sich viele, die sich auch noch an ihre Schulzeit und womöglich gar Originale von Lehrern erinnern und diese Folgen einer Feuerzangenbowle wohl nachempfinden können. So gibt es viel Szenenbeifall und herzlichen, anhaltenden Schlussbeifall, dann wird man in den winterlichen Silvesterabend entlassen.



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