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Alison Moyet bringt die Capitol-Gäste erst spät in Wallung

Ertrunken in Elektrobeats

HANNOVER. „Upstairs at Eric’s“ hieß die erste Platte des Duos Yazoo, in dem Alison Moyet ihre erfolgreiche Karriere begann. Die Treppe hoch heißt es auch für die Pressefotografen im Capitol, und zwar weg von der Bühne, ab auf den Balkon. Dabei ist aus dem pummeligen Teenager längst eine attraktive Mittfünfzigerin geworden. Doch Madame Moyet verlangt Distanz. Und die spürt leider auch das Publikum, das seltsam passiv das 90 Minuten kurze Konzert zur Kenntnis nimmt.

veröffentlicht am 25.01.2019 um 10:36 Uhr
aktualisiert am 25.01.2019 um 18:50 Uhr

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Autor

Martin Jedicke Reporter

Viele, die Moyet mit ihrem Solodebut „Alf“ lieben gelernt haben, mögen Gänsehautballaden wie „Invisible“ oder „The Ole Devil Called Love“ erwartet haben. Ihr aktuelles Album „Other“ und die dazugehörige Live-CD „The Other Live Collection“ ließen allerdings bereits erkennen: Moyet hat Spaß am Experimentieren mit Elektrosounds. Das könnte spannend sein, funktioniert auch bei dem cineastischen Auftakt „I Germinate“ recht beindruckend, und „The Rarest Birds“, auf einen zarten Keyboardteppich gelegt, lässt Raum für Moyets warme Altstimme – der Höhepunkt eines Konzerts, in dem zu oft wummernde Bässe, inspirationslose Samples und bedeutungsschwangere Keyboardsalven von Melodie und Stimme ablenken. „Right as Rain“ ertrinkt in Technobeats, Moyets Drama-Queen-Phrasierung in „This House“ gefriert im Elektronebel.

Sean McGhee sorgt für die elektronischen Arrangements, greift zwischendurch zum Bass, das Trio komplettiert ein Schlagzeuger. Nichts ist einzuwenden, wenn die typischen 1980er-Synthieklänge entstaubt werden, doch das Gebotene wirkt irgendwie blutleer und selten fantasievoll. Darunter leidet die Magie so großer Songs wie „All Cried Out“ oder „Love Resurrection“, in dem die Liebe leider nicht wieder aufersteht. Am besten funktionieren die Yazoo-Lieder wie „Nobody’s Diary“, das Moyet bereits mit 16 schrieb, oder der Hit „Only You“. Sympathisch-putzig der treibende Spielzeugkeyboard-Sound in „Situation“, dazu Zischlaute wie von einem vorbeisausenden Raumschiff, das uns in eine Zeit zurückbeamt, als Depeche Mode ihre ersten Gehversuche begannen. Damals noch mit Vince Clarke, der vor dem Megaerfolg ausstieg, mit Moyet Yazoo formte und nach nur zwei Alben Erasure gründete. Clarkes zwingender Marschrhythmus im finalen „Don’t Go“ holt die 1000 mitklatschenden Gäste des Capitol schließlich aus ihrer Lethargie.

Ein bisschen ungeplante Nähe gewährt das Abstimmungsproblem zwischen Mensch und Maschine zu Beginn von „Alive“, was einen Neustart und eine erklärende Entschuldigung erfordert. Und sonst? Moyet streut ein paar Dance-Moves ein, tanzt mit dem Mikroständer vor bunten Leuchtröhren, viel Show ist nicht. Was bleibt ist Moyets wunderbare Stimme. Man wünschte sich Lieder und Stimme einmal in einen Jazzkontext. Vielleicht eine Idee für die nächste Tour.



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