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Premiere für Tennessee Williams’ „Glasmenagerie“ am Theater für Niedersachsen

Erinnerungstheater ohne Experimente

Hannover. Endstation Liebe: Am Ende küsst die schüchterne Laura den Gast, den ihr Bruder mit ins Haus gebracht hat. Sie küsst diesen Jim, vielmehr er küsst sie. Doch dann besinnt er sich und sagt, dass da eigentlich eine Betty auf ihn warten würde. Und das war’s mit der Liebe von Laura und den Hoffnungen der Mutter und überhaupt mit der Zukunft dieser Kleinfamilie.

veröffentlicht am 19.01.2012 um 17:53 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Ronald Meyer-Arlt
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Mit seiner „Glasmenagerie“ (uraufgeführt 1944 in Chicago) ist Tennessee Williams bekanntgeworden. „Endstation Sehnsucht“ hat er drei Jahre später geschrieben, es ist das bessere Stück. Aber schlecht ist „Die Glasmenagerie“ nicht. Eigentlich gibt es keinen Grund, das Stück heute nicht mehr zu spielen. Andererseits gibt es auch fast keinen Grund, es zu spielen. Es ist ein schönes trauriges Stimmungsbild, lauter verlorene Seelen treten auf, alle sind sie verlassen. Es ist ein schönes Stück vom Scheitern. Aber es ist auch ein bisschen geschwätzig, schwergängig – und wenn man keine starke Schauspielerin im Ensemble hat, die ehemalige Südstaatenschönheit und Nervensäge sein kann, geht’s gar nicht.

Am Theater für Niedersachsen hat man Simone Mende. Sie spielt Amanda Wingfield, die vom Ehemann sitzengelassene Ehefrau und Mutter. Ihren Sohn will sie vom Suff und ihre Tochter vom Suizid abhalten. Nebenbei träumt sie von den Zeiten, als sie der Schwarm aller gut aussehenden Männer im Mississippidelta war. Geblieben sind ihr die Lebenslust, die Haltung von damals und das Lachen.

Ihre Tochter lacht gar nicht. Katharina Wilberg verleiht dieser Laura kaum einen kleinen Geh-, aber einen großen Sprachfehler. Kann man machen. Dennis Habermehl als Sohn ist mit Eifer bei der Sache. Er steht ziemlich unter Strom, aber das ist auch kein Wunder, er ist schließlich die Erzählerfigur.

Erinnerungstheater – damals war das eine große Sache. Aber warum muss man das heute spielen? Darauf gibt Regisseur Gero Vierhuff keine schlüssige Antwort. Er experimentiert nicht mit dem Stück herum, befragt es nicht nach seiner Gegenwärtigkeit, peppt es aber mit zeitgenössischer Musik (und einem hübschen Bühnenbildeffekt) auf. Im Grunde ist das richtig.

Weitere Termine: Am Theater für Niedersachsen in Hildesheim am 22. und 30. Januar.

Die eine lacht, die andere hinkt: Amanda (Simone Mende) und Laura (Katharina Wilberg). Foto: Hartmann



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