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Tobias Kunze zählt zu den erfolgreichsten Poetry Slammern Deutschlands – und übt Kritik am Betrieb

Eingesperrt im Streichelzoo der Literaturszene

Hannover. Tobias Kunze kann nie still stehen. Auch nicht auf der Bühne. Wenn sich der Poetry Slammer für einen Auftritt vor ein Mikrofon stellt, hat man das Gefühl, in einem Orkan der Worte zu stehen. Schnell und gekonnt haut er seinem Publikum Sätze um die Ohren – mal lustig, mal kritisch. Mit Literatur, wie man sie aus der Schule oder von Wasserglas-Lesungen kennt, hat das nichts zu tun. Am Ende liegt er auch schon mal geschafft auf dem Boden, und das Publikum hält sich den Bauch vor Lachen.

veröffentlicht am 07.08.2011 um 15:59 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:41 Uhr

In Hameln gewann Tobias Kunze den dritten und vierten Poetry Slam, der 2005 in der Sumpfblume ausgetragen wurde. In Hannover sit

Autor:

Constantin Alexander
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Der Hannoveraner Kunze ist einer der erfolgreichsten Poetry Slammer Deutschlands. Viele Male hat er Dichterschlachten gewonnen. 2009 wurde er sogar Europameister. Fast 1000 Auftritte hat er hinter sich, an mehr als 100 Tagen im Jahr steht er auf der Bühne. Seine Kunst hat er schon nach Italien, Estland, Frankreich und in die Schweiz gebracht – und nach Hameln. Hier gewann er 2005 gleich zwei Mal den Poetry Slam in der Sumpfblume. In diesem Jahr wird Kunze zum ersten Mal in Russland auftreten – mit deutschen Texten. Er steht kurz davor, vom Dichten leben zu können.

Doch Tobias Kunze hadert mit der Szene – zehn Jahre nach dem Beginn seiner Slam-Karriere. „Poetry Slam ist ein Streichelzoo geworden. Die Form ist komplett im Mainstream angekommen.“

Bei einem Poetry Slam hat jeder Dichter wenige Minuten Zeit, einen eigenen Text so vorzutragen, dass das Publikum ihn mit den meisten Punkten bewertet. Als diese Art der Lesung Mitte der 1980er Jahre in den USA erfunden wurde, gab es verstärkt verschiedene Textformen.

Auch in Deutschland war es bis vor ein paar Jahren ähnlich. Dann entdeckte das Fernsehen das Potenzial, Sponsoren gaben Geld. Mehr und mehr Poetry Slammer bekamen für einen Sieg hohe Beträge. „Wenn jemand mehrere Tausend Euro für den Gewinn eines Slams bekommt, will er nicht mehr schön schreiben, sondern erfolgreich“, sagt Kunze. Alex Dreppec, der schon große Straßen-Poeten-Wettkämpfe organisiert hat, sieht die Sache anders. „Ich habe nichts dagegen, wenn Slammer mit ihrer Arbeit Geld verdienen“, hatte er einmal gesagt.

Gewinnen konnte bislang vor allem, wer das Publikum zum Lachen brachte. Für manchen Slammer lief das so gut, dass er mittlerweile bei Stefan Raab oder im „Quatsch Comedy Club“ auftritt. Die Besten haben die Szene lediglich als Durchlauferhitzer genutzt.

Auch Kunze hat inzwischen ein eigenes Kabarettprogramm. In Niedersachsen sei es aber schwierig, sich als Dichter mit Poetry-Slam-Hintergrund zu etablieren. „In vielen Bundesländern werden ehemalige Slammer von Literatur- oder Kulturbüros gesponsert“, sagt Kunze. In Niedersachsen gebe es hingegen die klare Grenze zwischen sogenannter hoher Literatur und dem, was Kunze und seine Kollegen machen.



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