weather-image
24°

Einfach glücklich gemacht

Hannover. Was mit Schönbergs "Verklärte Nacht" in der Choreografie von Hannovers Ballettchef Jörg Mannes furios begann, wurde mit Nils Christe mit "Augen.Spiegel.Seele" - vor allem mit Prokofjews "Visions fugitives", zwanzig hinreißenden kleinen Piecen noch einmal gesteigert und vom Publikum begeistert gefeiert. Die Klammer für Christes Choreografie bilden zwei Kompositionen von Arvo Pärt mit "Cantus" und "Fratres". Ein wunderschön getanzter Ballettabend mit hinreißender Musik unter Mark Rohde mit dem Orchester der Staatsoper.

veröffentlicht am 10.03.2013 um 13:52 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 00:21 Uhr

ku
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Hannover. Eher selten, dass so „verklärte“ Versprechen so klar eingehalten werden, wie die „Verklärte Nacht“ am Samstagabend in Hannovers Staatsoper — und so ganz anders als die reale, wenn man die Zauberwelt der Bühne wieder verlassen musste und nur eines sah: Sauwetter. Von verklärt keine Spur. Dabei: „Verklärte Nacht“, das Poem von Richard Dehmel, der einmal sehr beliebt und berühmt war, bevor er vergessen wurde, war nur Anlass. Inspiration für Arnold Schönberg und seine Sinfonische Dichtung, die einmal als Sextett vor „zwei Jahrhunderten“ begann, bevor es zur sinfonischen Dichtung wurde. Zuletzt in einer Fassung von 1943. Und die hat Jörg Mannes, Hannovers gefeierter Ballettchef, jetzt neu choreografiert.
 So wenig sich Schönberg streng an die Dehmel-Geschichte hielt, eher das Atmosphärische betonte – auch Mannes versucht erst gar nicht, die so tragisch-schöne Story zu erzählen. Schafft hinreißende, spannungsgeladene Bilder, erzählt von Paaren, von Gruppen – lässt wunderschön zu Schönbergs so wunderschöner Musik tanzen. „Oh, sink hernieder Nacht der Liebe...“.
 Thomas Rupert hat ihm zu dieser spätromantischen, so gefühlsstarken Musik ein verwirrendes Äste-Gewirr als Hintergrund geschaffen, einen gewaltigen, mondartigen Ball in die Szene gehängt und zwei seitliche Schrägen gebaut. Und wie zuletzt in „Sissi“ nutzt Mannes virtuos diese Schrägen für immer neue faszinierende Bilder. Als Dehmelsches Paar Catherina Franco und Denis Piza – und gleichberechtigt fast das gesamte Ensemble. Eine „Verklärte Nacht“, wirklich verklärt mit bezaubernden Kostümen von Heidi de Raad.
 So grandios und aus einem Guss der Auftakt des Abends, an dem das Staatsorchester unter Mark Rohde wesentlichen Anteil hatte – mit Nils Christe als Gast-Choreograf von „Augen.Spiegel.Seele.“ – Verknappung für „Die Augen sind der Spiegel der Seele“ – wurde der Abend zum eigentlichen Ereignis. Und zentral – zu den ebenfalls beeindruckenden Klammern von Arvo Pärts „Cantus“, das er in memoriam Benjamin Britten in a-moll komponierte und „Fratres“ – ein Wunderwerk, das sich unvergessbar eingegraben hat: Prokofjews „Visions fugitives“. Ursprünglich 20 kleine virtuose Klavier-Parts, die von Rudolf Barschai und Viktor Suslin für Streichorchester bearbeitet wurden.
 Kleine, ganz große Piecen, die beglücken – glücklich machen. Kleinode in immer neuen Farben, Rhythmen, Klängen – kleine Feuerwerke an Einfällen. Und wenn ein Meister wie Christe solche klangliche Preziosen in die Hände bekommt, entsteht eben „Augen.Spiegel.Seele.“, das vom Publikum begeistert gefeiert wurde. Allein die Übergänge der zwanzig Piecen mit so schönen Bezeichnungen wie „animato“, „molto giocoso“, dann „con eleganza“ oder „pittoresco“ – Christe bedient alles fulminant, schwerelos, fast wie nebenbei. Mal eine kleine Pause, dann nahtloser Übergang, Übernahme, oder auch Bruch, Christes Fantasie scheint grenzenlos – und das Mannes-Ensemble ist in seinen Händen begeisterndes Wachs. Immerhin: aus der ursprünglich kleinen Besetzung wurde ein Ensemblestück. Ein schöneres Kompliment, hätte Christe der Compagnie nicht machen konnen.
 Ein grandioser Tanzabend, der musikalisch so beglückte wie tänzerisch. Einfach glücklich macht.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?