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2. Dewezet-Classics-Konzert mit Nordwestdeutscher Philharmonie und Lisa Smirnova am Klavier begeisterte

Eine Sternstunde

HAMELN. 1946 wurde im benachbarten Bad Pyrmont ein Orchester gegründet, das später als „Nordwestdeutsche Philharmonie“ seinen Stammsitz in Herford bekam und vor allem den ostwestfälischen Raum bespielte. Bedeutende Dirigenten standen an seiner Spitze; so etwa Wilhelm Schüchter, Michail Jurowski und an erster Stelle Andris Nelsons, nunmehr Gewandhauskapellmeister in Leipzig, um nur einige zu nennen.

veröffentlicht am 14.03.2018 um 14:51 Uhr
aktualisiert am 15.03.2018 um 14:52 Uhr

Als Solistin erlebten die Zuschauer Anna Smirnova, eine Pianistin von Weltrang, die in schönster Übereinstimmung mit Dirigent und Orchester ihre Werke spielte. Foto: geb
Holländer1

Autor

Ernst-Wilhelm Holländer Reporter

Viel zu selten erlebten Musikbegeisterte die Musiker in unserer Region, immerhin waren sie bei der Hamelner Kantorei zu Gast, spielten auch bei den Musikwochen Weserbergland.

Nun aber, im zweiten Hamelner Konzert im Theater Hameln, hörten die Besucher die Nordwestdeutsche Philharmonie erstmals hier mit ihrem Chef, dem weltweit bekannten Franko-Kanadier Yves Abel. Ein Wermutstropfen: wenn solche Musiker kommen, wenn auch ein herausragendes Programm geboten wird, dann müsste das Haus eigentlich ausverkauft sein!

Schon die zu Beginn gespielten „Haydn-Variationen“, opus 56a, von Johannes Brahms machten deutlich, welche Qualität hier geboten wurde. Das wunderschöne Werk, beginnend in den Holzbläsern mit dem „Chorale St. Antoni“, gefolgt von acht kunstvoll gestalteten Variationen, wurde von den Musikern unter der klaren, im besten Sinne inspirierenden Leitung von Yves Abel zum reinen Hörgenuss.

Sodann ein Werk, das man nicht gerade häufig zu hören bekommt: das späte Opus 134 in d-moll für Klavier und Orchester von Robert Schumann, eine der letzten Kompositionen (entstanden 1853) des vom Schicksal schwer getroffenen Meisters. Als Solistin erlebten wir Lisa Smirnova, eine Pianistin von Weltrang, die dem Werk von der langsamen Einleitung bis zum furiosen Hauptteil keine Nuance schuldig blieb: technisch kaum mehr erwähnenswert, vor allem aber gestalterisch in schönster Übereinstimmung mit Dirigent und Orchester ein erster Höhepunkt!

Das wäre kaum zu steigern, und dennoch wurde das Klavierkonzert Nr. 2 in F-Dur, opus 102, von Dmitri Schostakowitsch zu einer Sternstunde. Mancher Hörer mochte wohl seine Bedenken vor der Tonsprache dieses Komponisten gehabt haben, aber im Ge-gensatz zu vielen anderen Werken aus seiner Feder ist dieses Konzert reine Wonne: quirlig, fröhlich, auch donnernd in den höchst anspruchsvollen Ecksätzen, mitten drin aber hört man ein fast untypisches, rein tonales, von spätromantischem Wohllaut geprägtes Andante. Lisa Smirnova am Flügel bewies zwingend, dass man die pianistischen Anforderungen, noch dazu auswendig, durchaus bewältigen kann: das war perlendes, virtuoses, auch liebevoll gestaltendes Klavierspiel.

Yves Abel, nun mit Partitur vor sich und Brille auf der Nase, beeindruckte als klug disponierender Partner, hielt den Orchester-Apparat sicher im Griff, und nicht einmal die häufigen Taktwechsel schienen ihn aus der Ruhe zu bringen.

Lisa Smirnova, vom Beifall umtost, dankte mit einer Zugabe von Robert Schumann, und die wurde zu einer wirklichen „Träumerei“, wie sie schöner nicht klingen kann.

Es gab an diesem Abend aber auch einiges zu sehen. So wurde sogar der komplizierte, gut geplante Umbau vor dem letzten Stück zu einem fast „künstlerischen“ Ereignis …

Eigentlich kann man über die abschließend musizierte Suite aus dem Ballett „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky kaum mehr Einzelheiten berichten. Ob in der Musik nun dieser sagenhafte Vogel, gleichsam im Feuer lodernd, durchaus wohllautend sang, ob der böse Zauberer Kastschei seine Höllenkunst zelebrierte, ob alles sich im Glanz des Finales auftürmte: Yves Abel und die Nordwestdeutsche Philharmonie brachten hohe Orchesterkultur in diesen Konzertabend. Und man möchte den Musikern zurufen: Kommt recht bald wieder, Ihr seid hier willkommen!

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