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Stiftung Ahlers Pro Arte / Kestner Pro Arte: Das schockierende Werk des französischen Malers Philippe Pasqua

Eine Lehrstunde über die Freiheit in der Malerei

Hannover. Es sind die künstlerischen Vorstellungen, wo Dinge und Erfahrungen unter dem Blickwinkel persönlichster Leidenschaft an den Betrachter gebracht werden. Philippe Pasqua ist so ein Ausnahme-Maler, denn mit seinen übergroßen Köpfen wird er zunächst so manchem Besucher der auf schöne, harmonische Kunst eingestellt war, einen Schock versetzen.

veröffentlicht am 11.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 18:41 Uhr

Pasqua: „Constance (rouge)“

Autor:

Klaus Zimmer
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Nein, es sind keine „schönen” Bilder, die uns Pasqua an die Wände gebracht hat: Großformatige, mimisch eigenwillige Porträts, Köpfe, die die gesamte Leinwand ausfüllen, und dann wieder die ganze Figur, den Akt, vom Künstler mit einem so offenen Blick eingefangen, dass man unwillkürlich erinnert wird an Gustave Courbets „Origine du Monde”, oder auch an die freizügigen Bilder eines Egon Schiele.

Die Malweise Pasquas – in Ölfarben – geschult durch die Erfahrungen an der modernen Fotografie und schnellen Filmen, ist spontan in der Bewegung und Erfassung seines Gegenübers: Es ist die – unverzichtbare – Dynamik der jungen Generation. Denn der Künstler beweist: für niemanden ist die Begrenzung von Erleben, Fantasie und Kreativität zumutbar und möglich, ohne die so wichtige Motivation des Individuums.

Vor diesen monumentalen Köpfen und Figuren die übliche Frage: Welcher Stil ist das? Und so kann nur aus Sicht des Rezensenten auf dieses schillernde, aus so vielen Facetten zusammengesetzte Gebilde Realismus verwiesen werden; doch je mehr man darüber nachdenkt, umso mehr zerrinnt der Begriff wieder zwischen den Fingern; denn diese Realität ist mehr als nur Hülle, und ihre Wandlung in Bilder mehr als nur Realismus der Form. Es geht hier um die Frage nach der Glaubwürdigkeit, nicht nach sachlicher und abbildhafter Richtigkeit.

Philippe Pasqua verachtet die traditionelle Ästhetik. Es gelang ihm, einen eigenen Formenapparat, einen unverwechselbaren Stil, zu entwickeln. Als Absage gegenüber jeglichem Perfektionismus bleibt die Malweise sich selbst überlassen, bei dem Bemühen, Gefühle in Farben umzusetzen, die er mit breiten Pinseln, als „Farbgebirge” auf die Leinwand setzte.

Seine Bilder, Arnaud etwa, der seine Behinderung stolz zur Schau trägt, Constance, die als Aktmodell ohne Scheu freizügig posiert, aber auch als ernstes Gesicht mit dem Bleistift festgehalten oder die Konfrontation mit wiederholten Selbstporträts; alles zeigt das Interesse des Künstlers am Gegenüber, mit dem gesehenen Bild des Anderen.

Stiftung Ahlers Pro Arte / Kestner Pro Arte, Warmbüchenstraße 16; bis 14. Februar 2010, Fr.-So. 12:00-17:00 Uhr (www.ahlers-proarte.com)

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