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Das Landestheater Detmold zeigt den Strauß-Geniestreich „Die Fledermaus“ im Theater

Eine Hymne auf das Leben

Hameln. Ihr Stammplatz im Theaterprogramm ist Silvester, mittlerweile ist sie aber auch gleichberechtigt auf allen Opernbühnen zu Hause: „Die Fledermaus“, gerne auch als „Operette der Operetten“ gefeiert. Schon die Strauß-Ouvertüre ein buntester Strauß gespickt mit unsterblichen Melodien, Evergreens, die sich nicht selten als Ohrwürmer einnisten. Schauplatz: ein Badeort, irgendwo vor rund 150 Jahren. Und das Landestheater Detmold in der Inszenierung von Christian Poewe nimmt dies durchaus wörtlich: Vor allem im zweiten Akt, der sonst weniger von Uropas Bade-Klamotten geprägt ist und bei Champagner – der ja an der ganzen Ramasuri nicht ganz unschuldig ist neben der Rache der „Fledermaus“ – stilecht mit Frack und großer Robe zelebriert wird.

veröffentlicht am 28.12.2015 um 13:45 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:42 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Ein Genie-Streich des Walzerkönigs. Allein weil ihm vermutlich der Text ausging zu so viel Musik, sein „Du-i-du, la-la-lala-la-la“ – eine Hymne auf das Leben. Champagnerseligkeit und Wien, wie es singt und lallt. Und genau das in der Aufführung am zweiten Weihnachtstag auf unserer Bühne als ziemlich reale Nummer, die ein bisschen im Alkoholpegel verschwimmt. Ungenau wird.

So sehr György Mészáros am Pult mit schnellen, frischen Tempi glänzt – da ist einiges, das man noch nie so rasant gehört hat –, hier hätte er etwas leiser sein können und fast ein bisschen schleppend. Österreichisch schlamperter halt.

Ein blendendes Ensemble mit Andreas Jören als Gabriel von Eisenstein mit seiner Rosalinde (Eva Bernard) – wunderschön ihr so herrlich verlogenes „Oje, oje, wie rührt mich dies“, aber auch Rosalindes „Csárdás“. Einer der vielen Reize der „Fledermaus“: Niemand will sein, was er ist. Eisenstein tritt als Marquis Renard auf, Gefängnisdirektor Frank als Chevalier Chagrin, die Kammerzofe Adele sieht sich als Künstlerin, Rosalinde versteckt sich hinter einer Maske. Tenor Alfred landet als Eisenstein in der Zelle und nur Prinz Orlofsky, den blasiert alles langweilt, und Gerichtsdiener Frosch mit Sliwowitzfahne als Markenzeichen sind mit sich selbst einig.

Was die Inszenierung auszeichnet: Frische und Tempo, Showeinlagen, nie wird verleugnet, dass die Bühne vor allem Bühne ist und unterhalten will. Und natürlich eine Brigitte Bauma als Orlofsky samt Motto „Chacun à son gout“ und Katharina Ajyba als Adele, die kurzfristig eingesprungen ist, was niemand bemerkt hätte, so selbstverständlich ging sie im Ensemble auf. Eine feste Bank auch Michael Zehe als Gefängnisdirektor und Ewandro Stenzowski, der ständig Arien schmettert, die es 1874, als die „Fledermaus“ uraufgeführt wurde, noch gar nicht gab. Passt trotzdem. Und der Frosch (Michael Klein), Gerichtsdiener im Sliwowitz-Nebel mit Geistesblitzen, der hier mit Schwimmflossen in Grün wirklich Frosch sein darf.

Sie ist die „wienerischste aller Wiener Operetten“, nicht nur beim „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“. Eine Weihnachtsüberraschung mit fast voll besetztem Haus. Halt ein Volksstück à la „Jedermaus“.



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