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Arthur Honeggers Oratorium „König David“ in vollendeter Wiedergabe

Eine Höchstleistung

HAMELN. Das weltweit gerühmte, aber durchaus sperrige Oratorium König David von Arthur Honegger in Hameln aufführen? Es stellt hohe Anforderungen, die nicht überall erfüllt werden. Wohl aber in Hameln. Hier haben es die bewundernswerten Sängerinnen und Sängern der Hamelner Kantorei zu vollendeter Wiedergabe gebracht.

veröffentlicht am 12.11.2017 um 17:09 Uhr

Eine vollendete Wiedergabe in der Hamelner Marktkirche: das Oratorium König David von Arthur Honegger. Foto: Dana

Autor:

Ernst-W. Holländer
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In den 1920er Jahren komponierte der damals noch kaum bekannte Schweizer Arthur Honegger das Werk zunächst als Bühnenmusik, arbeitete es später zum Oratorium um. Es wurde ein Welterfolg, der bis heute anhält. Indessen war es nicht leicht, genügend interessierte Hörer, wie sonst, in die Marktkirche St. Nicolai zu locken. Der Abend begann zunächst mit Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy. In seiner wunderschönen Hymne „Hör mein Bitten“ erklang ein leuchtendes Sopran-Solo (Rebecca Davis), gefolgt von strahlendem, dichtem Chorklang, wie von der Hamelner Kantorei mit der Jugendkantorei und Kantor Stefan Vanselow gewohnt. Man durfte genießen.

Sodann das Hauptwerk, der „symphonische Psalm König David“ für Soli, Sprecher, Chor und Orchester von Arthur Honegger. In dem hervorragend gestalteten Programmheft hatte man viel darüber lesen können, und Interessierte konnten sich auch im Internet ausführlich informieren. Hauptträger einer Aufführung ist der Chor, und hier muss man fragen: Wie kann ein solcher ohne jede harmonische Stütze, so intonationsrein, dynamisch weitreichend, so schier unglaublich sicher singen? Wie kann er die schwierigen Aufgaben erfüllen, seine oft kurzen Floskeln zuweilen nur auf einen Vokal, schwebende Stimmungen, verteilt auf die Gruppen zu Klang formen? Hier gilt: höchste Anerkennung!

Dazu gehört ein sinfonisch besetztes Orchester, dem vertrackte Einsätze, schwierigste Spielweisen, solistische Details abverlangt werden. Immerhin musizierte hier die uns wohlbekannte Nordwestdeutsche Philharmonie, einst in Bad Pyrmont gegründet, heute in Herford ansässig, eines der drei großen Landesorchester Nordrhein-Westfalens. Um nur wenig herauszugreifen: Was haben etwa die Blechbläser zu leisten, wie farbig, ja fetzig wirkten die instrumentalen Teile, die Märsche und Tänze! Drei Vokalsolisten werden verlangt. Die Sopranistin Rebecca Davis überstrahlte den komplexen Gesamtklang mit Leuchtkraft bis in höchste Höhen. Von der Altistin Julie Marie Sundal hörten wir eine füllige, warme Stimme, doch eindrucksvoll gelang auch die dramatische Sprechszene der Hexe von Endora. Die kleine Tenorpartie gipfelt in der sogar recht sanglichen Psalm-Vertonung „Ich hebe meine Augen auf“. Markus Schäfer gestaltete all dies mit schöner lyrischer Stimme.

Die Handlung um den biblischen Hirten, Sänger, Kämpfer, am Ende König David wird von einem Sprecher erzählt. Dafür hatte man mit Wolfgang Haendeler einen des Rezitierens sehr wohl Kundigen gewonnen. Leider waren seine Texte in den melodramatischen Szenen über Chor- und Orchesterklang nicht immer gut verständlich. Vielleicht wäre doch ein Mikrofon nötig gewesen.

Das Werk endet mit einem überwältigenden, alle Mitwirkenden fordernden Schlusschor und einem an barocke Vorbilder gemahnenden „Halleluja“. Nach kurzem Innehalten brach lang anhaltender Beifall los.

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