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Elektro-Pop-Band überrascht nach bisher mäßigen Kritiken

Eine gebrochene Lanze für a-ha

Hannover. Zunächst muss eine Lanze gebrochen werden. Für die norwegische Elektro-Pop-Band a-ha. Was hat sie auf der laufenden Comeback-Tour auf die Mütze bekommen. Uninspirierter Kitsch, ein statischer Sänger, drei Musiker, die sich nichts mehr zu sagen hätten. Vielleicht haben a-ha die bösen Kommentare gelesen. Dann wären sie lernfähig. Denn Morten Harket bleibt am Sonntagabend in der Tui-Arena Hannover keineswegs starr am Mikro kleben. Andererseits kreieren a-ha auch keine stampfenden Marschrhythmen à la Depeche Mode, die zum Rennen über Laufstege animieren. A-ha sind Pop reinsten Wassers. Dazu darf ein wenig Kitsch gehören. Man muss die Liedtexte nicht analysieren, man kann sich aber forttragen lassen von dem unverwechselbaren Falsett Harkets, das zu den schönsten Stimmen zeitgenössischer Populärmusik zählt. Harket hat sich den Posterboy-Charme und die schlanke Figur bewahrt. Wenn er sich Lederjacke und Piloten-Sonnenbrille entledigt hat, fokussiert sich der Glamour aber vor allem auf die fünf Projektionsflächen, auf denen einfallsreiche Videos eine abwechslungsreiche Lichtshow unterstützen, ohne allzu sehr von der Musik abzulenken. Was im schwächeren Mittelteil des Konzerts freilich ein Vorteil ist. „Here I Stand and Face the Rain“, das nette Duett Harkets mit der Background-Sängerin Anneli Drecker macht sich vor den riesigen bunten Kirchenfenstern besonders gut. Die Gesangsdarbietungen des Gitarristen Pål Waaktaar und des Keyboarders Magne Furuholmen leiden unter den konturlosen Songs. Auch die drei Neuzugänge vom aktuellen Album „Cast in Steel“ können mit den großen Songs nicht mithalten: dem dramatischen „Cry Wolf“, dem funkigen „Move to Memphis“, dem Falsett-Klassiker „Stay on These Roads“ oder „Foot on the Mountain“, das die 7500 Zuschauer spät zum Klatschen bringt. Und wer bei „Hunting High and Low“ nicht dahinschmilzt, hat ein Herz aus Stein oder ist ein unverbesserlicher Speed-Metal-Fan. Der wird sich aber kaum zu diesem Konzert verirrt haben, das mit einem rockigen „The Sun Always Shines on TV“ und dem Bond-Knaller „The Living Daylights“ zu erwartende Zugaben bereithält. Zum abschließenden Überhit „Take on Me“ wird noch einmal an das bahnbrechende Cartoon-Video erinnert, das Mitte der 1980er Jahre auf MTV in Dauerschleife lief.

veröffentlicht am 19.04.2016 um 16:56 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:26 Uhr

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Autor:

VON MARTIN JEDICKE
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Harket und Furuholmen wirken in ihren eingestreuten Zwischenmoderationen durchaus aufgeräumt, auch wenn Harket in einem Interview durchblicken ließ, dass nach der Tour wieder Schluss sein soll. Vielleicht leitet eine weitere Pause auch nur ein drittes Comeback ein, wenn Soloprojekte erfolglos bleiben, Geld verdient werden soll oder schlicht Langeweile eingekehrt ist. A-ha mögen nicht mehr die dicksten Freunde sein, und wenn Furuholmen bei der Vorstellung der vier Begleitmusiker sich erst an deren Namen erinnern muss, so mag dies als Witz gemeint sein, kommt aber eher despektierlich daher. Wenn aber bei „Hunting High and Low“ und „The Living Daylights“ die Fans noch minutenlang weitersingen oder in der Arena – so ist das heute – Hunderte Smartphone-Lichter glitzern, reicht dies immer noch für Gänsehaut-Momente.



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