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Viele Favoriten beim Filmfest Cannes

Eine Frau oder ein Schwarzer?

CANNES. In diesem Jahr ist beim Festival einiges möglich – möglicherweise geht die höchste Auszeichnung ausnahmsweise an eine Frau. Oder es gibt die erste Goldene Palme für einen schwarzen Filmemacher.

veröffentlicht am 18.05.2018 um 14:31 Uhr

Regisseur Spike Lee kommt zur Premiere des Films „BlacKkKlansman“ im Rahmen des 71. Filmfestivals in Cannes. Gewint er als erster Schwarzer Filmemacher die Goldene Palme? Foto: Arthur Mola/Invision/AP/dpa

Autor:

Aliki Nassoufis
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Vielleicht wird beim Filmfestival Cannes an diesem Samstag Geschichte geschrieben. Immerhin stehen die Zeichen in diesem Jahr auf Veränderung. So protestierte Jurypräsidentin Cate Blanchett nicht nur mit 81 anderen Frauen für mehr Gleichberechtigung im Filmgeschäft. In Zeiten von #MeToo herrscht auch mehr Sensibilität für die Stimmen derjenigen, die bisher wenig Gehör fanden. Das gilt für Frauen ebenso wie für andere Gruppen: Während bisher vor allem weiße Männer die Goldene Palme gewannen, könnten dieses Mal ein schwarzer Filmemacher oder eine Regisseurin triumphieren.

Mit 61 Jahren wäre Spike Lee zwar längst nicht der jüngste Palmengewinner, dafür aber der erste Afro-Amerikaner mit dem Hauptpreis. Seine Satire „BlacKkKlansman“ basiert auf den wahren Erlebnissen eines schwarzen Polizisten, der sich Ende der 70er Jahre in den Ku-Klux-Klan schmuggelte.

Auch Eva Hussons Beitrag „Girls of the sun“ schaut dahin, wo andere lieber weggucken: Zu den Frauen, die von den Kämpfern des Islamischen Staates entführt und als Sexsklavinnen verkauft werden. Die Französin fokussiert dabei auf Bahar, die als Anführerin einer Fraueneinheit Rache üben will.

In der Kritikergunst weit oben ist „Happy is Lazzaro“ der Italienerin Alice Rohrwacher, die hier märchenhaft-überzeichnet von ausgebeuteten Hilfsarbeitern berichtet. Mit „Capernaum“ wiederum legte Nadine Labaki aus dem Libanon eine erschütternde Geschichte um einen Zwölfjährigen vor, der seine Eltern verklagt, ihn in diese furchtbare Welt gebracht zu haben – der junge Laien-Hauptdarsteller spielte problemlos alle Profis an die Wand.

Tatsächlich hätten sich diese drei Regisseurinnen, die es in den Cannes-Wettbewerb geschafft haben, eine Auszeichnung verdient. Es wäre die erst zweite Goldene Palme in der mehr als 70-jährigen Festivalgeschichte, die an den Film einer Frau ginge.

Die Auflistung dieser Filme zeigt zum einen, dass es in diesem Jahr keinen eindeutigen Favoriten gibt. Zum anderen wird klar, dass der Wettbewerb zwar nicht vor bekannten Namen strotzte, dafür aber mit zahlreichen guten Werken überraschte. Dazu gehört auch der japanische Beitrag „Shoplifters“, der bereits zum Gewinner der Herzen wurde. Es ist ein tieftrauriges und zugleich warmherzig erzähltes Werk über eine von Außenseitern zusammengewürfelte Familie. Still, aber eindringlich fängt Kore-Eda Hirokazu gesellschaftliche Probleme ein - auch das wäre eine Goldene Palme wert.



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