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Beim Festival Theaterformen erklären Geflüchtete den Zuschauern die Stadt

Eine Frage der Nähe

Zuschauer sollen sich blind durch die Stadt führen lassen und in der Sauna fremde Texte lesen: Das Festival Theaterformen lädt zum Mitmachen ein. Vertrauen ist wichtig. Besonders bei dieser Theaterform. Die französische Künstlerin Myriam Lefkowitz gastiert mit einer ganz neuen, Nähe und Sensibilität erfordernden Kunstform beim Festival Theaterformen, das vom 8. bis zum 16. Juni in Hannover stattfindet.

veröffentlicht am 26.04.2017 um 13:20 Uhr

Martine Dennewald. Foto: dpa

Autor:

Ronald Meyer-Arlt

In „Walk, Hands, Eyes (Hannover)“ sollen sich die Zuschauer mit geschlossenen Augen durch die Stadt führen lassen. Auf jeden Zuschauer kommt einer, der ihn an die Hand nimmt oder gegebenenfalls auch an die Schultern fasst. Einige der Führer gehören zum Ensemble von Myriam Lefkowitz, andere wurden eigens für die Aufführungen in Hannover engagiert. Es handelt sich um Geflüchtete – und das Stück verspricht eine schöne Umkehrung der Verhältnisse: Flüchtlinge erklären den Zuschauern die Stadt.

Mitmachtheater wie „Walk, Hands, Eyes (Hannover)“ gibt es reichlich bei der neuen Ausgabe des Festivals. In „Oratorium“ etwa arbeitet die Theatergruppe She She Pop mit einem Chor von Zuschauern aus Hannover. Die Laiendarsteller werden über das sprechen, worüber man sonst nicht so gern spricht: den eigenen Besitz.

Fremde Worte werden auch die Zuschauer von „Dein Wort in meinem Mund“ aussprechen. Die italienisch-belgische Künstlerin Anna Rispoli hat zusammen mit dem hannoverschen Künstlerduo Lotte Lindner und Till Steinbrenner mit verschiedenen Menschen über Liebe gesprochen. Die Teilnehmer der Performance werden die fremden Worte lesen. Und zwar mit jedem Räuspern und jedem „Äh“, das die Künstler mit aufgezeichnet haben. So soll eine besondere Art von Intimität entstehen. Und eine besondere Unsicherheit wird wohl auch zu spüren sein. Denn für diese Performance sind unterschiedliche Spielorte vorgesehen, und alle sind nicht so ohne Weiteres frei öffentlich zugänglich.

Die Tanzperformance „Sylphidarium“ von Francesca Pennini im Teatro Carignano in Turin (Italien). Am 8. Juni eröffnet das Festival Theaterformen in Hannover rmit Theaterstücken, Performances und Installationen. Foto: dpa
  • Die Tanzperformance „Sylphidarium“ von Francesca Pennini im Teatro Carignano in Turin (Italien). Am 8. Juni eröffnet das Festival Theaterformen in Hannover rmit Theaterstücken, Performances und Installationen. Foto: dpa

Auch in diesem Jahr hält das Festival ein Versprechen, die Formenvielfalt des Theaters abzubilden.

Martine Dennewald, Intendantin der Theaterformen

Bei einem dieser Spielorte dürfte es sich um eine Sauna handeln. Die Künstler wollen noch nichts verraten, aber in der Ankündigung ist immerhin von „Sauna Dresscode“ die Rede. Das dürfte eine Herausforderung sein – auch für die Theaterkritik.

Die Bandbreite der Theaterformen ist bei einem Festival, das diese in seinem Titel trägt, naturgemäß groß: Neben partizipativem Theater gibt es Tanztheater (Francesca Pennini erzählt in „Sylphidarium“ die Geschichte des Balletts „La Sylphide“), Videoperformances (etwa „Love and Revenge“ von der libanesisch-griechischen Künstlerin Randa Mirza und dem libanesisch-französischen Musiker Rayess Bek), theatrale Ortserkundungen (wie Marusa Kinks Inszenierung von Tschechows „Drei Schwestern“ in einer alten Industriehalle) oder Performances (wie „Oblivion“ von Sarah Vanhee, die ihren eigenen Müll ausstellt, den sie im Verlauf eines Jahres gesammelt hat).

Gratis-Konzerte:

Insgesamt 15 Theaterproduktionen werden in der Zeit vom 8. bis 18. Juni bei den Theaterformen zu sehen sein, dazu gibt es viele Konzerte im Festivalzentrum – wie immer bei freiem Eintritt. Den Anfang der Konzerte macht die kanadische Gruppe The Hidden Cameras am Donnerstag, 8. Juni, um 21.30 Uhr.

Info: Ab sofort gibt es Karten für die Theaterformen im Vorverkauf.

Einen Trailer zu „Sylphidarium“ gibt’s im Internet auf der Seite www.haz.li/theaterformen

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