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Hamelner Galerie Faita zeigt keramische Kunstwerke

Ein wahres Sammelsurium

HAMELN. Wie mit einer Rüstung versehen steht der Torso da, geschaffen vom Bildhauer und Keramiker Robert Sturm, eher skizziert und angedeutet als gegenständlich ausgeführt. Sturm zählt zu den bekannten deutschen Nachkriegskeramikern. Er ist einer von 40 Künstlern aus acht Ländern, deren Arbeiten jetzt in der Hamelner Galerie Faita zu sehen sind.

veröffentlicht am 12.03.2018 um 10:41 Uhr

Jo-Jo-Mann von Margret Weise. Foto: pr/Galerie Faita

Autor:

Joachim Stracke
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Ein Zeitgenosse Sturms ist der ehemalige Hochschulprofessor, Keramiker und Maler Dieter Crumbiegel. Er ist in der Ausstellung „Sammelsurium 6 – Keramik aus Sammlerhand“ mit einer Reliefarbeit und einem Gefäßobjekt vertreten. Gerade dieses Gefäßobjekt ist ein Beispiel für die sogenannte Studiokeramik: Nicht mehr die Funktion zählt, sondern die Ästhetik. Die Keramik sei durch diesen Schritt revolutioniert worden, erklärt Galeristin Margret Faita. Es war ein Schritt in Richtung freie Kunst. Auch wenn ein vermeintliches Gefäß noch zu erkennen ist, die übliche Funktion wurde durch zu kleine Öffnungen verworfen. Es ist ein Spiel mit der Form, aber auch mit der Oberfläche entstanden. Die Glasur ist jetzt mehr als nur Schutz.

Ein großer Teller von Karin und Walther Zander, mit einer Ochsenblutglasur gezeichnet, bringt Tiefe auf den Scherben, fast einer Malerei gleich. Klassisch auch die Oilspotglasur auf einer ovalen Kugel des Keramikers Horst Kerstan, einem Meister der Glasur. Feine Auskristallisationen schweben im Innern der Oberfläche. Die Vielfalt der Keramik lässt den Betrachter staunen. Schillernde und matte Flächen, freie Bemalung und strenge Linien, harmonisch ausgewogene oder frei schwingende Formen bei den Gefäßobjekten. Dann Übergänge vom Gefäßobjekt zur freien Plastik, etwa bei der Arbeit des französischen Keramikers Vincent Potier, der eine Skulptur – oder ist es noch Gefäß? – fast wie einen japanischen Kimono gebaut hat. Klar freies Kunstobjekt ist die Figur des Jo-Jo-Manns von Margret Weise: ein Mensch in Tiergestalt mit einem hängenden Kopf am Seil.

Keramik ist ein Werkstoff, der alles ermöglicht, sagt Faita. Keramik kann Gefäß, kann Kunst und kann Gefäß als Kunstobjekt sein. Die Ausstellung zeigt stilprägende Künstler ihrer Zeit. Sei es Dorothee Colberg-Tjardens, die einst die legendäre Gruppe 83 mitbegründete und die Keramik als eigenständige Kunstform entwickelte, oder der Luxemburger Bildhauer Pit Nicolas, der als Mitglied der Internationalen Académie de la Céramique mit Arbeiten in Museen der Welt zu sehen und mit einer Plastik auch in der Hamelner Ausstellung vertreten ist. Vertreten sind auch die Schüler: Karin Bablok aus Hamburg, Jan Kollwitz aus Cismar, der wie sein Lehrmeister Horst Kerstan nach Japan ging, um dort die hohe Schule der keramischen Kunst zu studieren. Insgesamt sind fast 100 keramische Arbeiten zu betrachten. Zusammen getragen haben diese „keramischen Schätze“, so Faita, drei Sammler, die in ihrer Leidenschaft zu künstlerischen Zeitzeugen wurden.

Hohe Kunst – das keramische Werk des Luxemburgers Pit Nicolas. Foto: pr/Galerie Faita
  • Hohe Kunst – das keramische Werk des Luxemburgers Pit Nicolas. Foto: pr/Galerie Faita
Margret Faita und Kevin Bülow betrachten eine Skulptur von Eva Klinger-Römhild. Foto: js
  • Margret Faita und Kevin Bülow betrachten eine Skulptur von Eva Klinger-Römhild. Foto: js
Gefäß von Hans und Renate Heckmann. Foto: pr/Galerie Faita
  • Gefäß von Hans und Renate Heckmann. Foto: pr/Galerie Faita

Ausgangspunkt für die Reihe war vor sechs Jahren ein Sammler, der sich im Alter räumlich verändern wollte. Ohne die Sammler würde es oft keine Kunstgeschichte mehr geben, sie ergänzten die Museen, betont Margret Faita. Diese könnten heute wegen Geldmangels kaum mehr Kunst aufkaufen. Sammler ermöglichten es, dass Künstler existieren können, und sie hülfen, Kunstepochen zu bewahren. Die Sammler seien die Stütze des Systems.

Die Ausstellung „Sammelsurium 6 – Keramik aus Sammlerhand“ ist bis Samstag, 24. März, montags bis freitags von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr zu sehen – in der Galerie Faita, Hameln, Alte Marktstraße 45.



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