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Quatuor Ebène bei der Kammermusikgemeinde

Ein vollendetes Quartettspiel

Hannover. Ein Programm mit Werken von Mozart, Bartòk und Beethoven mutet ja zunächst eher traditionell als aufregend an. Aber: Es kann aufregend werden, sehr aufregend sogar. Nicht nur, weil die Werkauswahl den Bogen spannte von dem bei Schulorchestern und Quartetteleven so beliebten Divertimento F-Dur KV 138 bis zum Gipfel klassischer Quartettkompositionen, Beethovens Spätwerk Opus 131.

veröffentlicht am 26.11.2010 um 14:14 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 09:21 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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Vor allem ist es die anatomische Freilegung des inhaltlichen Kerns unter Berücksichtigung zeitstilistischer Eigenheiten der Werke, und es ist diese selten so stark ausgeprägte Vereinigung von Intellekt und Leidenschaft, die das Spiel des Quatuor Ebène auszeichnet.

Der Kopfsatz des Divertimentos erklang blühend frisch, danach mit fein ausbalancierter Dynamik das Andante. Und mit perfekter Rasanz fegten die vier durch das Presto – das zu hören, machte einfach Spaß und begeisterte die Kammermusikfreunde.

Wer Bartóks erstes Streichquartett schon einmal von den Franzosen hörte oder ihre Einspielung kennt, konnte nun die Beständigkeit ihrer Interpretation bewundern. Sie bestach auch dieses Mal mit der großen Spanne der Tonfärbungen, von der körperlosen Fahlheit der ersten Takte bis zu den trotzig hämmernden Forte- und Fortissimo-Achteln des letzten Satzes. Und immer wieder faszinierend: Nur sehr wenigen Quartettvereinigungen gelingt es (insbesondere in emotionsgeladenen Passagen), im Sinn einer Polyphonie die Eigenständigkeit jeder der vier Stimmen so schlüssig und deutlich hörbar zu machen wie den jungen Franzosen.

Ideale Voraussetzungen für eine Königsdisziplin wie die Interpretation von Beethovens Spätwerk, das man als sein Vermächtnis bezeichnen kann. Tatsächlich leuchten in diesen sieben attacca aufeinanderfolgenden Sätzen (oder Fragmenten eines Riesensatzes) alle Wesenszüge der Musik und der Persönlichkeit Beethovens auf. Ein mehr als halbstündiges Kompendium menschlicher Empfindungen – vollendet dargeboten.

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