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„Moschee DE“: In der Inszenierung von Robert Thalheim wurde das Konflikt-Schauspiel nun in Hannover uraufgeführt

Ein Stück Lebenswirklichkeit und kein Kunststück

Hannover. Zwar geht es im Schauspiel oft um Gott und die Welt, aber Zeichen aktiver Religionsausübung sind im Zuschauerraum selten. Kopftuchträgerinnen sieht man so gut wie nie. Was sich ändern sollte, schließlich wird die weltliche Kunst Theater von den in Deutschland lebenden Muslimen mitfinanziert.

veröffentlicht am 04.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:41 Uhr

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Autor:

Ronald Meyer-Arlt
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Bei der jüngsten Premiere im Schauspielhaus war eine Kopftuchträgerin im Publikum auszumachen. Das Fernsehen war auch da. Nicht ihretwegen, sondern wegen des Themas. Gespielt wurde „Moschee DE“, ein Stück über den Streit anlässlich eines Moschee-Neubaus in Berlin-Pankow. Aber ein Spiel war es nicht. Zwar gab es einen Konflikt, aber keinen dramatischen. Zwar wurde viel geredet, aber nicht miteinander. Regisseur Robert Thalheim und Autor Kolja Mensing präsentieren die „szenische Rekonstruktion“ eines wirklichen Vorgangs. Sie haben mit Beteiligten des Moscheebaus Interviews geführt, Zitate daraus werden von Schauspielern wiedergegeben.

Es treten auf: der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen den Bau. Eine Zugezogene, die eine Bürgerinitiative gegen die Bürgerinitiative gegründet hat. Ein Pastor. Ein Konvertit. Der Imam. Spielort ist eine Turnhalle: Ein Basketballkorb hängt an der Wand, Matten, Bänke und Streifen auf dem Kunststoffboden sind zu sehen. Hübsch auf der Bühne (Michal Galinski) ist die Anzeigetafel, „Heim“ – „Gast“ steht da, ohne Punktestand.

In einer Turnhalle fand die Bürgerversammlung in Pankow statt, bei der es zu Ausschreitungen gegen die anwesenden Muslime kam. Zwischen Mattenwagen bilden sich Debattiergrüppchen, mal geht einer nach vorn und monologisiert. Zwischendurch greift der Imam zur Gitarre und singt Lieder von Cat Stevens, der sich Yusuf Islam nennt.

Ist das alles nicht ein wenig zu einfach? Kann das Theater mit ein paar Zitaten von Betroffenen der hochkomplexen Frage, wie sich der Islam mit der deutschen Gesellschaft verträgt, gerecht werden? Kann man mit Textbausteinen ein Stück bauen? Müsste die antiaufklärerische Seite des Islam nicht schärfer kritisiert werden? Ist Cat Stevens nicht peinlich?

Das Stück wirft mehr Fragen auf als es Antworten bietet. Das fortwährende Aneinandervorbeireden der Akteure kommt einem zuerst wie ein Mangel vor. Es gibt aber eine Ahnung davon, wie es um das Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen, Weltanschauungen und Kulturen bestellt sein könnte. Es ist nicht einfach, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Zuschauer lernen Einzelschicksale kennen: Menschen ohne Namen, aber mit Meinungen, gespielt von Rainer Frank, Wiebke Frost, Mathias Max Herrmann, Aljoscha Stadelmann, Sandro Tajouri, die gelegentlich Gas geben und die Figuren schon mal zu Karikaturen werden lassen. Das passiert im wirklichen Leben ja manchmal auch.

Weitere Aufführungen am 11., 27. und 30. März am Schauspiel Hannover.

Multikulturelles Debattieren: Aljoscha Stadelmann und Sandro Tajouri.

Foto: HAZ

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