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Ganz große Schauspielkunst: Peter Bause in Hauptmanns „Vor Sonnenuntergang“ im Theater

Ein Stück, das heftig unter die Haut geht

Hameln. Ein ergreifendes Stück, eine werkgerechte Inszenierung ohne modische Marotten (Peter Kupke), eine solide Ensembleleistung und ein grandioser Hauptdarsteller: zu erleben am Mittwochabend im Theater Hameln beim Gastspiel des Eurostudios mit Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenuntergang“.

veröffentlicht am 05.03.2009 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 10:41 Uhr

Der ach so liebe Familienklan um Geheimrat Clausen (Peter Bause,

Autor:

Jürgen Schoormann
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In einem ebenso stimmungsvollen wie praktischen Bühnenbild von Thomas Lorenz-Herting entfaltet sich eine Familiengeschichte von geradezu antiker Wucht, und zwar nicht in der äußerlichen Handlung, sondern ganz in den Dialogen. Und so war es ein besonderes Verdienst aller Schauspieler, dass hier endlich einmal wieder deutlich und artikuliert gesprochen wurde, so wie es ein Bühnenschauspieler gelernt hat und wie es dem Film- und Fernsehdarsteller seitens der Regie als „Überartikulation“ oft ausgetrieben wird.

Ein 70-Jähriger wagt es, sich lange nach dem Tode seiner Frau in ein junges Mädchen zu verlieben, und die Familie steht Kopf. Peter Bause als Geheimrat Clausen und Kaya Schmidt-Tychsen als Inken spielen das mit wunderbarer Selbstverständlichkeit und absolut glaubhaft. Und wäre er ein einfacher Mann, gäbe es auch keine Probleme. Aber da er ein reicher Unternehmer ist, fürchtet die saubere Sippe um das Erbe. In dieser Situation treten die wahren Charaktereigenschaften seiner Kinder und ihrer Ehepartner ans Licht, und nur wenige Verbündete bleiben dem jungen Paar, darunter aus der Familie nur der jüngste Sohn.

Verleumdung, Bestechung, Heuchelei, seelische Erpressung und Intrige sind die Mittel, mit denen man zum Ziel zu kommen hofft: Entfernung Inkens aus der Umgebung des Vaters oder Verzicht auf sein neues Glück.

Meisterhaft

gespielte Inszenierung

Und als alle diese Mittel versagen, greift der Familienklan zum Äußersten: Man beantragt seine Entmündigung und bestellt einen Vormund.

Wie Peter Bause die Reaktion auf diese Ungeheuerlichkeit darstellerisch meistert, das ist einfach ganz große Schauspielkunst. Ein Mann voller Vitalität und Lebenskraft wird psychisch und physisch von seiner undankbaren, geldgierigen Nachkommenschaft zur Strecke gebracht.

Und wenn das Stück so meisterhaft gespielt wird wie in dieser Inszenierung und von einem solchen Ensemble, dann geht es auch mehr als 70 Jahre nach seiner Uraufführung noch ganz heftig unter die Haut. Der lang anhaltende Beifall im fast ausverkauften Haus bewies es.



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