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Hannovers Ballettchef Jörg Mannes hat Shakespeare choreografiert

Ein Sommernachtstraum in regennasser Herbsttagsrealität

Hannover. Nahtloser Übergang von Herbsttagrealität zu Sommernachtstraum. Eben noch regennasser und laubbunter Überfluss – dann zu Händels Suite Nr. 3 pointiert hingetupft: Athener Hof mit Theseus und Hippolyta. Hochzeitsvorbereitung. Dazu zwei Pärchen der Athener Jeunesse dorée – und ein Paar aus einer anderen Welt: Oberon und Titania, die über das Reich der Elfen herrschen. Ehekrach. Auch sonst läuft schief, was schief laufen kann. Pucks „Rose mit dem Purpurstern“ glitzernd verhaucht, sorgt für Verwechslungen. Nicht nur die Pärchen lieben über kreuz und quer – Titania verliebt sich in Zettel, der in einen Esel verwandelt wurde. „Zettels Traum“ und andere Sommernachtsträume, ein poetisches Zauberstück aus Shakespeares Feder, verzaubert allemal. Auch bei Jörg Mannes’ Handlungsballett, das sich darauf verlassen kann, dass das Publikum weiß, worum es geht. Was sonst vermutlich nicht gehen würde, weil, nur getanzt, die Handlung keine wäre.

veröffentlicht am 07.11.2010 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Hinreißend – voll Poesie, Fantasie und derb-komisch: Titania und Zettel als Esel mit übergroßen Schuhen und Eselskopf. Brillante Einlage – wie auch die Mädchen-wechsel-dich-Spiele der Paare, bis die Richtigen doch richtig zusammenpassen. Da spielt Mannes seine Stärken aus, erfindet neue Bewegungsabläufe, die beglückend auf den so unterschiedlichen Musikstücken liegen – von Händel über Benjamin Britten bis Frank Bridge – perfekt rhythmisiert.

Einzig die „Rüpelszene“ – schon mit Text kaum komisch zu realisieren – bleibt dem Niveau des Spiels einiges schuldig. Das ist – pardon: vorzugsweise Gehampel, das weder zum Lachen reizt noch akrobatisch oder tänzerisch zu bewundern wäre. Ein bisschen langweilig. Ein getanzter Sommernachtstraum, dem ein bisschen die Wärme fehlt und das, was eine Mittsommernacht ausmacht, wenn die Hormone verrücktspielen.

Wie so oft bei Mannes: Top-Einzelleistungen. Andreas Michael von Arb und Karine Seneca als Oberon und Titania – und einmal mehr der Puck von Publikumsliebling Catherine Franco. Und ein ganz neuer Liebling: Pantelis Zikas als hinreißender Zettel. Einfach meisterlich.

Bezaubernde Paare auch Hermia und Helena mit Lysander und Demetrius (Hildur Elin Ólafsdóttir, Keiko Nisugi, Denis Piza und Marco Boschetti). Und wunderbar choreografiert von Mannes: die Elfenszenen mit Titania und Zettel, den sie über die halbe Bühne rollen. Musikalisch wieder ein Erlebnis: das Staatsorchester unter Toshiaki Murakami.

Kein ganz, ganz großer Abend – aber ein großer. Und angemerkt, dass Mannes die Messlatte längst sehr, sehr hoch gehängt hat.

Voller Poesie: Titania (Karine Seneca) und der in einen Esel verwandelte Zettel (Pantelis Zikas) in Jörg Mannes’ „Sommernachtstraum“ in der Staatsoper Hannnover. Foto: Gert Weigelt

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