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Der begehbare Fundus: Das Theatermuseum Hannover zeigt die „Wunderkammern des Theaters“

Ein Schaufenster für das Universum im Kleinen

Hannover. Es wäre töricht, das Museum als Selbstzweck zu betrachten. Denn es kann nur das Bindeglied sein, uns und unseren Nachkommen die Vielfalt des Universums im Kleinen zu erhalten. Das war – und ist das besondere Anliegen der sogenannten Wunder- oder Kunstkammern. In ihnen werden Objekte unterschiedlichster Herkunft und Bestimmung gemeinsam präsentiert und bewahrt. Ist doch dem Menschen, der das Resümee seiner Ahnen ist, das zweideutige Geschenk verliehen, über die nie zu fassende Gegenwart nach vorn und rückwärts hinauszublicken.

veröffentlicht am 11.10.2010 um 15:39 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:21 Uhr

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Autor:

Klaus Zimmer
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Das Theatermuseum in Hannover hat sich schon seit langem bemüht, kunstinteressierten Menschen Sammlungen und Dokumente aus der Welt des Theaters, der Kunst oder Literatur zu präsentieren. Mit der jetzt eröffneten Ausstellung „Wunderkammern des Theaters“ ist diesem Haus ein ganz großer Wurf gelungen – mit drei Schwerpunkten wie: die gewaltige Theaterinstallation, die Postkartensammlung des Alexander May, Gertrude Degenhardts Radierungen „Von Tanten die Trinken und Tanzen“ und, zur Freude der Kleinen: das Klecks-Theater zu Gast im Theatermuseum.

Eine mit Verstand und Geschmack geübte Sonderung einmaliger Originalität, nicht trödelhaft oder aufgeputzt, das Beste eben, in dem sich eines durch das andere hebt und erläutert, ohne den Beschauer zu ermüden.

Die Veranstalter sind in den Bauch des Theaters gestiegen, haben die Türen geöffnet und sie alle gefragt: Rüstmeister, Modistinnen, Schuhmacher, Theatermaler, Schlosser, Tischler, Plastiker und Gewandmeister auf der Suche nach originalen Zeugnissen. Und so wurde das Museum zu einem großen begehbaren Theaterfundus.

Wo ist das Schwert Notung, das einst der Sänger Reiner Minten trug? Wo die Schuhe Bernhard Minettis oder der Hut von Alexander May? Überraschungen pur erwarten den Besucher. Wussten Sie, dass der Schauspieler Alexander May (1927 bis 2008) eine zweite Leidenschaft hatte? Er war ein besessener Postkartenschreiber und -bemaler. Allein an die für ihn tätige Dr. Beate Appelt schickte er 2165 Karten!

Gertrude Degenhardt, geboren 1940 in New York, überrascht durch ihre Menschenkenntnis. Mit der Radiernadel fängt die heute in Mainz lebende Lithografin und Malerin in ihren Sujets die allzu menschlichen Emotionen ein: verfremdet, skurril, und trotzdem erkennbar aus dem Leben gegriffen.

Der alte Geheimrat Goethe, selbst ein Sammler von bedeutender Eigenart, hinterließ uns diesen etwas skeptischen Vierzeiler: „An Bildern schleppt Ihr hin und her / Verlornes und Erworbnes; / Und bei dem Senden kreuz und quer / Was bleibt uns denn? – Verdorbnes!“

Zu sehen bis 12. Dezember im Theatermuseum, Prinzenstraße 9 in Hannover. Im Internet: www.theater museum-hannover.de

„Von Tanten die Trinken und Tanzen“ heißt diese Radierung der Zeichnerin und Lithografin Gertrude Degenhardt. Die Künstlerin gilt als aufmerksame Beobachterin von Menschen und Charakteren.



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