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Film um Freundschaft und erste Liebe mit viel Komik, Slapsticks und einem schwachen Showdown im Kühlhaus

Ein liebenswerter Held zwischen E. T. und Yogi-Bär

Pia staunt nicht schlecht, als sie in ihrem Baumhaus ein weißes Tier mit wuscheligem Fell, schwarzen Kulleraugen und niedlichen Spitzohren entdeckt. Schnell hat sie es, seiner komischen Grunzlaute wegen, Yoko getauft. Yoko hat eine Vorliebe für gefrorene Fischstäbchen, tanzt ausgelassen zu Pop-Musik und schläft liebend gern in der Tiefkühltruhe. Zu dumm nur, dass weder Pias strenge und – nach dem Tod des Vaters – auch sehr besorgte Mutter sowie die naseweise kleine Schwester Marcella etwas von dem drolligen Viech erfahren dürfen. Yoko ist ein Yeti, und der Zuschauer weiß bereits, wie er aus dem fernen Tibet hierher gelangen konnte. Thor Van Sneider, geldgieriger und sehr tollpatschiger Großwildjäger, hat am Himalaja einige seltene Tiere eingefangen, um sie in einem riesigen Truck nach Deutschland zu verfrachten und an Zoodirektor Kellermann zu verkaufen. Beim Versuch, die Tiere zu retten, landete Yoko ebenfalls in dem Laster. Van Sneider wittert ein zusätzliches Geschäft, zumal er Zimmermanns Vorliebe für ausgestopfte Tiere kennt. Doch da ist Yoko schon ausgebüxt, und nun hat Pia, verstärkt durch ihren neuen Freund Lukas, alle Hände voll zu tun, den Yeti zu beschützen. Und die Zeit drängt, denn Yoko muss, des viel zu milden Klimas wegen, wieder zurück in seine kühle Heimat.

veröffentlicht am 17.02.2012 um 12:49 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 16:21 Uhr

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Autor:

Michael Ranze
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Freundschaft, Verlust, Abschiednehmen, erste Liebe und Tod des Vaters: Nach den gleichnamigen Kinderbüchern von Knister („Hexe Lili“) macht Regisseurin Franziska Buch, bereits mit „Emil und die Detektive“ und „Bibi Blocksberg“ im Kinderfilm zu Hause, jüngere Zuschauer mit wichtigen Themen vertraut, die ebenso beiläufig wie diskussionswert in den Film einfließen. Darüber hinaus präsentiert sie mit der Titelfigur, einer großen Puppe, die mittels eines Schauspielers und ferngesteuerter Elektronik belebt wurde, einen liebenswerten Helden, dessen Ausstrahlung irgendwo zwischen E.T. und Yogi-Bär changiert. So wie E.T. ist auch Yoko ein Gestrandeter am falschen Ort, der zwar in seine Heimat zurückmuss, zuvor aber die Kinder zu mehr Verantwortung und die Erwachsenen zu mehr Menschlichkeit veranlasst. Dass er trotz dieser Funktion als Katalysator mit seinen Eigenheiten auch für viel Komik und Slapstick sorgt, gehört zu den Stärken des Films. Die Spannung entsteht dabei durch Pias unbeholfene Versuche, Yoko vor den Erwachsenen zu verstecken. Mehr als einmal können die Kinder dem fiesen Van Sneider erst in letzter Sekunde entwischen. Der Showdown im Kühlhaus ist allerdings viel zu lang geraten und – mit Obst als Wurfgeschoss – ohne Pep. Ein Manko, das durch originelle und fantasievolle Ideen des Set Designs wie zum Beispiel das Kinderzimmer aus Eis wieder wett gemacht wird.

In ihrem Bemühen, die Konflikte griffig herauszuarbeiten und für zusätzliche Komik zu sorgen, hat die Regisseurin einige Nebenfiguren zu klischeehaft gezeichnet und nicht ausreichend unterfüttert. So macht Tobias Moretti, ähnlich wie zuletzt Armin Rode in „Fünf Freunde“, als Knallcharge, die ungebremst grimassieren darf und sich zu Tarnungszwecken in unterschiedlichsten Kostümierungen präsentiert, eine sehr unglückliche Figur. Wundern muss man sich auch über Justus von Dohnány als skrupellosem Zoodirektor, der in einer abwegigen Idee Tiere sogar ausstopft, dann aber eine Wandlung zum geläuterten Helfer Yokos durchmacht. Jessica Schwarz hingegen wurde einmal mehr, nach den drei Teilen von „Die Wilden Hühner“ und „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“, als sorgenvolle Mutter besetzt. Ein Typecasting, mit dem deutsche Regisseure im Kinderfilm gern auf Nummer sicher gehen.

„Yoko“ läuft im Maxx-Kino Hameln täglich 14.30 und 16.30 Uhr.

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