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Ein Krimi-Star und eine Entdeckung

Von Richard Peter

Hameln. So unsterblich die literarischen Vorlagen – deren Darsteller gehören allemal zu den Sterblichen. Und so findet sich bei Hagen Wolf und seinem noch nicht ganz fertig geschriebenen Krimi „Sagentod“ ein bereits etwas von Ratten angeknabberter Darsteller der Hamelner Symbolfigur. Und die wird ausgerechnet von einem japanischen Reisejournalisten im Gebüsch am Weserufer entdeckt, worauf sich der Kollege aus dem Reich der aufgehenden Sonne vor Schreck in die Hose pinkelt.

veröffentlicht am 10.10.2010 um 15:07 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:21 Uhr

kultur
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Von Richard Peter

Hameln. So unsterblich die literarischen Vorlagen – deren Darsteller gehören allemal zu den Sterblichen. Und so findet sich bei Hagen Wolf und seinem noch nicht ganz fertig geschriebenen Krimi „Sagentod“ ein bereits etwas von Ratten angeknabberter Darsteller der Hamelner Symbolfigur. Und die wird ausgerechnet von einem japanischen Reisejournalisten im Gebüsch am Weserufer entdeckt, worauf sich der Kollege aus dem Reich der aufgehenden Sonne vor Schreck in die Hose pinkelt. Und eindeutig schuld: Die Wirte, die draußen nur „Kännchen“ servieren, was nicht nur bei Touristen auf die Blase schlägt.
 Wolf ist ein brillanter Satiriker, ein Sprachartist, der bröseltrocken seine Pointen setzt. Gnadenlos mit Wiederholungen arbeitet. Und hat er erst mal ein Stichwort, dann dreht und wendet er es, schlachtet es aus, spitzt das Spitze aufs Spitzeste. Ein einziges Vergnügen. Seine Glosse über die Aktion „Freundliches Hameln“ – ausgerechnet mit nicht ganz so freundlichen Hamelnern. Was nicht heißt, dass es bei uns nicht auch freundliche Dienstleister gibt, aber dabei handelt es sich nach Wolf eindeutig um Zugereiste. Bei der Uraufführung der ersten „Sagentot“-Kapitel am Freitagabend in der Buchhandlung Matthias amüsierte sich das Publikum köstlich über Wolfs Krimi-Glossen – vielleicht ein neues Genre – und seine, vermutlich ungewollte, Überleitung zur eigentlichen Hauptattraktion des Abends, die Lesung von Lucie Flebbe, gebürtige Hamelnerin und jetzt als Physiotherapeutin sozusagen mit Kind und Kegel – immerhin vier Kindern und einem fünften sichtbar unterwegs – in Bad Pyrmont zu Hause.
 Ihr Erstling, „Der 13. Brief“, noch als Lucie Klassen im renommierten Krimiverlag „grafit“ bereits 2008 veröffentlicht, schaffte auf Anhieb den Glauser-Preis für Newcomer. In diesem Frühjahr erschien, zeitlich nahtlos anschließend, ihr zweiter Band „Hämatom“, wieder mit Lila Ziegler als Protagonistin.
 Was Wolfs Überleitung betrifft, er tüftelt durchwegs humorig und vertrackt an der Frage, wie weit ein Autor autobiografisch zu begreifen sei. Natürlich nicht! Natürlich nicht? Trotz Vorwarnung erwischte man sich bei der Lesung von Lucie Flebbe immer wieder bei dem Gedanken – nicht nur, weil sie in der Ich-Form schreibt –, dass sie Lila Ziegler sein könnte. Sie wirkt eben wie ihre Hauptfigur, eben mal Zwanzig, neugierig, stinkfrech, unbelastet. Sie strahlt einfach Charme aus, ist selbstbewusst und bei aller Belastung scheinbar unbelastet.
 Dennoch hatte sie es nach diesem Vorprogramm nicht leicht, so sehr ihr ebenfalls witziger Umgang mit der Sprache von der Kritik bundesweit attestiert wurde. Natürlich hat Wolf, als gewiefter Radiosprecher bei Radio Aktiv bei seiner Lesung die besseren Karten – aber auch die Flebbe punktet mit ihrer Frische und unprätentiösen Vorstellung. Nur, dass ihre Texte, selbst gelesen, reizvoller sind als vorgetragen.
 Fazit des letzten Krimifestival-Abends: Eine sensationelle Uraufführung mit Blättern, die erst ein Krimi werden wollen – und die Lesung einer hochbegabten jungen Hameln-Pyrmonterin, die auf dem Weg ist, sich die Krimiwelt zu erobern.



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