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In „Gin Rommé“ deuten Ellen und Holger Schwiers gesellschaftliche Probleme heiter und tiefgründig

Ein Klagelied übers Alleinsein im Altersheim

Hameln. „Es ist doch nur ein Kartenspiel“, sagt Fonsia Dorsey im Stück „Gin Rommé“. Als Theaterstück von Donald L. Coburn wird es zum Spiegel für zwei Leben, die im Endstadium vernachlässigt und einsam in einem tristen Altersheim aufeinandertreffen. Im Spiel mit den Karten lassen sie nach und nach alle Masken fallen. Ellen Schwiers und ihr Bruder Holger lassen als Fonsia Dorsey und Weller Martin die Inszenierung von Jan Aust im Theater Hameln mit höchster Schauspielkunst zu einer eindrucksvoll heiteren, aber ebenso tiefgründigen Anklage über die Behandlung alter Menschen werden. Sie zeigen, wie ihr Leben später einmal nicht aussehen soll.

veröffentlicht am 29.11.2010 um 15:45 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 08:41 Uhr

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Autor:

Andrea Gerstenberger
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Später? „Ja, später“, betont die beeindruckend jugendlich wirkende und lebhaft erzählende 80-jährige Ellen Schwiers vor der Aufführung. Sie erklärt, dass solch ein einsames Leben im Heim für sie nicht in Frage kommt. Weil der Zusammenhalt der Familie beruflich und privat ein ganz starker ist. Ihr 17 Jahre jüngerer Bruder Holger wohnt am Starnberger See gleich um die Ecke. Und so, wie Ellen Schwiers sich als große Schwester um ihn gekümmert hat, als er klein war, so rührend umsorgt er nun sie, wenn sie auf Tournee sind. „Aber wer weiß, vielleicht wache ich eines Tages auf und bin debil oder habe einen Schlaganfall, und ich habe keine andere Wahl als doch ins Heim zu müssen.“ Man mag es sich nicht vorstellen, steht sie doch mit so einer mitreißenden Energie mitten im Leben und managt mit großer Freude das Familienunternehmen „Das Ensemble“ – die Jacob Schwiers GmbH mit Bruder Holger auf der Bühne und Tochter Katerina Jacob als Co-Regisseurin. Katerina Jacob war es auch, die im letzten Moment der Inszenierung des Stückes den Einfall hatte, ihre Mutter zu Beginn der Aufführung aus dem Off ein wunderschönes Gedicht von Alexander Puschkin rezitieren zu lassen. Es handelt von einem erfüllten Leben im Alter voller Vorfreude auf all das, was noch kommt. Wie ein Motto schwebt es über der Vorstellung.

Im Stück schenken sich Weller Martin und Fonsia Dorsey nichts. Vom charmanten Mann von Welt wird Weller zum frustrierten Verlierer, der die Beherrschung verliert. Während sich Fonsia als „geschicktes Aas“ entpuppt, wie Ellen Schwiers ihre wunderbar gespielte Rolle mit einem Augenzwinkern beschreibt. Eine gute Aufführung, die mehr Publikum verdient hätte.

Die Rolle der Fonsia Dorsey spielt sie wunderbar: Ellen Schwiers. Foto: Theater

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