weather-image
23°

Der eindrucksvolle Abgesang des Sir Neville Marriner: Mit seiner Academy of St. Martin in the Fields gastierte er zum letzten Mal in Hannover

Ein großer Konzertabend und zugleich ein trauriger Abschied

Hannover.Am Ende schien die Zeit stillzustehen, als sich zum Zeichen des bevorstehenden Abschieds aus dem unverwechselbaren Klang der Academy of St. Martin in the Fields das irische Traditional „Londonderry Air“, besser bekannt als „Danny Boy“, her-ausschälte. Sir Neville Marriner, ein Pult-Urgestein (und eines der edelsten der vergangenen 50 Jahre) wird am 15. April sein 87. Lebensjahr vollenden. Und das in bewundernswerter Frische, wie er mit dem letzten Konzert seiner letzten Deutschland-Tournee im Hannoverschen Kuppelsaal unterstrich.

veröffentlicht am 17.01.2011 um 17:56 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 04:41 Uhr

Autor:

Karla Langehein
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Zum Anlass passend wählte er ein außergewöhnliches Programm, an dessen Beginn die weitgehend unbekannte Ouverture zu „Béatrice et Bénédict“ von Hector Berlioz stand. Ein putziger Flickenteppich brillanter Einfälle, hinreißend instrumentiert und eine Steilvorlage für das Orchester und seinen Chef. Da blitzten die Holzbläserpassagen, das Blech trumpfte im rechten Maße auf – selten hört man so wohldosiertes Paukenspiel und derartig glänzenden Streicherklang. Sir Neville und seine Academy: Das ist schon ein eigen Ding. Während bei anderen Orchestern nach einigen Jahren ein Wechsel am Chefpult für frischen Wind (und oft für Besserung) sorgt, ist es hier die Tradition, sind es 50 Jahre gemeinsamen Musizierens, die für die unvergleichbare Ausstrahlung stehen.

Nach dem orchestralen Feuerwerk hatte es Martin Helmchen mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 25 C-Dur KV 503 nicht leicht. Das orchesterbetonte Solokonzert ist vor allem lauffreudig, voller spritziger Gedanken und (nach damaligen Maßstäben) auch recht virtuos, reicht aber inhaltlich nicht an die wirklich großen Mozart-Konzerte heran. Martin Helmchen, dem mit Preisen hoch dekorierten deutschen Pianisten der jüngeren Genaration, wäre ein ausdrucksstärkeres Werk zu wünschen gewesen. Aber die Ansprüche, die dieses Konzert stellt, bediente er perfekt und zeigte mit Busonis Bach-Choralbearbeitung, dass ihm ausdrucksstärkere Töne überzeugend gelingen können.

Nach der Pause erklang die deutlich seltener als ihre Schwester „Aus der Neuen Welt“ zu hörende siebte Sinfonie von Antonín Dvorák. Noch einmal entfaltete sich die unter Sir Nevilles Leitung erworbene und so besonders entwickelte Fähigkeit des Orchesters zu schnell wechselndem Abschattieren oder Aufhellen des Klangs, zu feinstem Tempowechsel und geradezu süffigem Musizieren wie im Scherzo, das als einziger Satz dieser Sinfonie den Sprung in die Hitliste schaffte.

Ein großer Konzertabend, zugleich ein trauriger Abschied von einem großen Dirigenten, der vor zwei Jahren im Interview mit Jakob Buhre sagte: „Andere Leute lesen viel oder machen Kreuzworträtsel, um sich geistig fit zu halten – bei mir ist es die ständige Beschäftigung mit Musik, die mich wach hält.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?