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Bravo-Rufe beim Einweihungskonzert für Hamelner Flügel mit der Pianistin Magdalena Müllerperth

„Ein großartiges Instrument“

Hameln. „Dieser neue Flügel ist ein großartiges Instrument.“ Der Konzertbesucher Jörg Selmer lässt seiner Begeisterung über das neue Prachtstück des Hamelner Theaters nach dem Einweihungskonzert am Sonntagabend freien Lauf. „Und eine großartige Pianistin, die auch musikalische Seele gezeigt hat“, kommentiert er. „Das können Sie ruhig zitieren.“

veröffentlicht am 16.12.2013 um 21:03 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Intendantin Dorothee Starke und ihre Mitarbeiter hatten es spannend gemacht, ehe sie für die Konzertbesucher den Blick auf den neuen Flügel freigegeben hatten. Weiß verpackt, fast wie einst der Berliner Reichstag, ließ sich nur seine Form erahnen, während Dorothee Starke und mit ihr Norbert Esser, der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Theaters Hameln e.V., den Dank für die vielen Aktionen und Spenden, die zum Erwerb des Grotrian-Steinweg-Flügels geführt hatten, zum Ausdruck brachten. Dann aber wurde – endlich – das Prunkstück feierlich enthüllt und erstrahlte majestätisch in schwarzem Glanz.

„Es ist für mich eine Ehre, dass ich dieses tolle Instrument zur Einweihung spielen durfte“, bedankte sich am Ende ihres Vortrags die junge Pianistin Magdalena Müllerperth dafür, dass sie für diesen Abend unter Vertrag genommen worden war. Und sie verlangte mit ihrem breitgefächerten Soloprogramm von Beethoven bis Strawinsky, von Chopin bis Alban Berg dem Flügel alles ab. Ob im Fortissimo, ob im Pianissimo, ob in allerhöchsten Tempi, ob im sanften Ausklang tief in den Raum schwebender Töne – dieses Instrument wird Hamelner Konzertbesuchern in Zukunft große Töne, große Musik, große Konzerterlebnisse bieten, wenn es von Virtuosen gespielt wird wie Magdalena Müllerperth. Es ist ein Instrument mit warmen Klängen ebenso wie mit metallischer Härte und reinster Klarheit, ohne dabei gläsern zu klingen. Dem rasenden Spiel der Finger der Pianistin folgte der Flügel ohne Fehl und Tadel und hatte doch schwere Kost zu verarbeiten.

Drei heitere fantastische Tänzchen von Dmitri Schostakowitsch bildeten sozusagen die Ouvertüre, ehe Magdalena Müllerperth mit Beethovens „Pathétique“ eine der großartigsten Sonaten der Musikliteratur wunderbar interpretierte. Vor allem den Mittelsatz „Adagio cantabile“ ließ sie mit großer Seele und innigem Spiel anrührend erklingen. So eindrucksvoll hat ihn auch ein Rudolf Buchbinder in Hannover nicht interpretiert. Da ist eine Künstlerin herangewachsen, die noch vor acht Jahren den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ gewann, mittlerweile aber in internationalen Konzerthäusern von Beifall umtost wird.

Virtuos wandte sich Magdalena Müllerperth nach der Pathétique zwei Scherzi von Frédéric Chopin zu, beide von technisch höchster Schwierigkeit, für die junge Dame und den Flügel aber war auch dies kein Problem. Perlende Läufe wechseln hier mit großen Akkorden, mal dominiert die rechte Hand, dann wieder die linke. Mögen Chopins Kompositionen auch eine Herausforderung für die Pianisten sein, für den Grotrian-Steinweg-Flügel aus Braunschweig waren sie es nicht, so voll sein Ton, so differenziert sein Klangbild, so atemberaubend die Fülle der Harmonien, die die Künstlerin ihm souverän zu entlocken verstand.

Selten in Konzerten zu hören sind so feine Stücke wie die „Jeux d’eau“ von Maurice Ravel, die Wasserspiele des französischen Komponisten. Und noch seltener eine der Klaviersonaten von Alban Berg, die dem Publikum einiges abverlangen – nicht aber dem Flügel, der dank Magdalena Müllerperths Intonationssicherheit auch Strawinskys „Pétrouchka“ bravourös bewältigte. Traumhaft schön auch die „Variations sérieuses“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, gespielt mit großer Innerlichkeit und beharrlicher Intensität. Am Ende Bravo-Rufe, dankbarer langer Beifall und zwei Zugaben von Mozart und einer Schubert-Bearbeitung von Franz Liszt – eine schöner als die andere.



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