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Experiment geglückt: Bachs Weihnachtsoratorium erklingt in der voll besetzten Hamelner Marktkirche

Ein großartiges Geschenk zum Fest

Hameln. Mit erheblichem Werbeaufwand war es seit Langem verkündet worden: „Hameln schenkt sich das Weihnachtsoratorium“. Und nun war es so weit: Zweimal erklang in der voll besetzten Hamelner Marktkirche St. Nicolai das Meisterwerk von Johann Sebastian Bach. Alle sechs Kantaten hatte Hans Christoph Becker-Foss mit seiner bewundernswerten Kantorei erarbeitet und präsentierte sie nun als wahrhaft großartiges Geschenk. Seit Langem war das Oratorium in voller Länge hier nicht mehr aufgeführt worden.

veröffentlicht am 28.12.2014 um 17:28 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:50 Uhr

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Autor:

Ernst-Wilhelm Holländer
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War es nun ein Konzert – oder, wie vom Organisations-Team beabsichtigt, ein Kantaten-Gottesdienst? Man mag darüber geteilter Meinung sein. Auch zu Bachs Zeiten erklangen die sechs Kantaten im Rahmen der Gottesdienste, und hier hatten sich nun die Pastoren Silvia Mustert, Jürgen Harms, Thomas Risel und Hans-Christof Vetter entschlossen, die einzelnen Teile mit wohldurchdachten Lesungen einzuleiten, Vaterunser und Segen einzubeziehen und die Gemeinde, also die gesamte Hörerschaft, zum Singen von (nicht sehr bekannten) Weihnachtsliedern aufzufordern. Die vorab angekündigte Dauer der Veranstaltung von zweieinhalb Stunden war damit freilich nicht zu halten.

Davon unberührt blieb der Eindruck einer hervorragenden musikalischen Leistung. Bachs Musik stellt an die Aufführenden gewaltige Anforderungen: Wenn man den Notentext verfolgt, staunt man über die Ketten von geradezu halsbrecherischen Koloraturen, über die Verzierungen, die Intonations-Probleme im Zusammenwirken. Alle vier Solisten, besonders der Tenor, haben wahrhaft Schwerstarbeit zu leisten. Nicht minder schwer wird es für den Chor, der hier größte Ansprüche an sicheren Einsätzen, stimmlicher Qualität, Ausgewogenheit des in langen Passagen wahrhaft heiklen kontrapunktischen Gefüges zu erfüllen hat, dabei auch Textverständlichkeit beachten muss. Von der Hamelner Kantorei an der Marktkirche weiß man, was sie zu leisten vermag. Verstärkt wurde sie hier von ehemaligen Mitgliedern, von der Jungen Kantorei sowie einem Projektchor des Viktoria-Luise-Gymnasiums. Wie intensiv, wie lange mag Becker-Foss geprobt haben, um diese hochkarätige Wiedergabe zu ermöglichen.

Der rührige Kantor hat beste Beziehungen zu kompetenten Solisten, viele davon haben wir hier mehrfach erlebt. So gestaltete Hanna Zumsande die Sopran-Partie, brillierte in den Arien (hier sei nur die sogenannte „Echo“-Arie genannt) und gab auch in den Duetten leuchtenden Glanz. Dem Alt hat Bach berührende Aufgaben zugewiesen, und Klaudia Zeiner sang etwa das Wiegenlied „Schlafe, mein Liebster“ mit verhaltener, samtener Stimme im Piano. Den Tenor Lothar Blum kennt man in Hameln, und wieder war er der stimmlich präsente, höchst textverständliche Evangelist, bewältigte aber auch die fast mörderischen Arien, man denke an „Frohe Hirten, eilt“. Schließlich hatte man den Dresdner Andreas Scheibner für die Basspartie gewonnen, aus seinen vielen markanten Einsätzen ragte die festliche Arie „Großer Herr und starker König“ heraus.

Bach fordert ein Instrumentarium mit vielen versierten Solisten. Das „Ensemble Antico“ wird von der aus Hameln stammenden Annika Schmidt geführt, man spielt auf historischen oder nachgebauten Instrumenten. Den Einzelstücken hat der Komponist konzertierende Soloinstrumente beigegeben (Violinen, Oboen, Flöten, Hörner), und wir hörten immer wieder hervorragende Leistungen. Den Glanz der Barocktrompeten überstrahlte mit gleißendem Ton der Niederländer Dave Hendry. Das Weihnachtsoratorium beginnt übrigens mit fünf Paukenschlägen, hier war Raphael Becker-Foss, wie auch später, markig beschäftigt.

Bliebe schließlich der musikalische Leiter Hans Christoph Becker-Foss zu erwähnen, aber hier dürfen wir es wohl kurz machen: Ohne ihn würde eine so glanzvolle Aufführung wie diese in Hameln nicht laufen. Und ihm vor allen galt der anhaltende herzliche Beifall einer wahrlich begeisterten Hörerschaft.



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