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„Mephisto“ mit dem Altonaer Theater

Ein ganz gewöhnlicher Schauspieler

Hameln. „Geistig sehr schwach, sachlich abgestanden, kritisch unergiebig“ – ein Totalverriss. Gottfried Benn ließ kein gutes Wort an „Mephisto“. Klaus Manns Roman verschwand in der Versenkung des Literaturbetriebs, wurde zeitweise sogar auf den Index gesetzt. Sein überraschendes Phönix-aus-der-Asche erlebte er 1979 durch die Dramatisierung am Théatre du Soleil – vor allem aber durch die grandiose Verfilmung mit Klaus Maria Brandauer. Nicht nur ein Star was born.

veröffentlicht am 01.10.2013 um 12:27 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 01:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Am Montagabend war „Mephisto“ in einer Inszenierung von Michael Bogdanov in der Bühnenfassung von Helen Edmundson und dem Altonaer Theater auf unserer Bühne zu sehen. Eine Geschichte, zu der Gustav Gründgens den Paten gab. Und sein Goethe-Mephisto den Titel.

Stationen eines Schauspielerlebens – aber kein Schlüsselroman, wie Klaus Mann immer wieder betonte. Ihm ging es um den Typus. Gründgens, mit Klaus Manns Schwester Erika vorübergehend verheiratet, lieferte nur die Schablone für seinen „Meister der rasanten Rollenwechsel“. Der unaufhaltsame Aufstieg eines Theatermanns in vielen kurzen Szenen schlaglichtartig vorgeführt.

Wer immer „Mephisto“ auf die Bühne stemmt, kommt um eines nicht herum: die Brillanz des Hendrik Höfgen. Mit Marcus Bluhm hatte die Aufführung einen charismatischen Darsteller, der nur eines sein will: ein ganz gewöhnlicher Schauspieler. Die Betonung liegt auf Schauspieler. Und den zeichnet nun mal aus, dass er ständig in neue Rollen schlüpft. Sein Job – und einer, der zwangsläufig abfärbt. Karriere, Applaus – egal, wenn er auch von der falschen Seite kommt. Hauptsache: Rampenlicht. Das galt damals auch für Theater- und Filmgrößen wie Heinrich George, Emil Jannings und Werner Kraus.

Ein solides Ensemble in unterschiedlichsten Rollen und Mehrfachbesetzung. Herausragend: Josef Tratnik als Göring, aber auch Dayan Kodua als schwarze Venus Juliette. Glänzend besetzt auch Julia Holmes mit den beiden so unterschiedlichen Figuren von Dora – alias Elisabeth Bergner – und Nicoletta (für die Marianne Hoppe das Vorbild abgab) sowie Hans-Jörg Frey als Theophil Marder – und niemand anders als der Autor „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“, Carl Sternheim, gemeint. Man kannte sich eben. Und der Sohn eines Thomas Mann hatte überall Zutritt.

Eine beeindruckende Aufführung – und ein Thema, das immer wieder neu betroffen macht. Weil es die Frage stellt, wie man selbst reagiert hätte. Helmut Kohl sprach einmal von der „Gnade der späten Geburt“.

Hauptsache Rampenlicht: Hendrik Höfgen (Marcus Bluhm) ist beinahe egal, wer ihm applaudiert. Hauptsache, er ist der Star des Abends.)Joachim Hiltmann



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