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Kleist verhackstückt

Ein Fiasko: „Der zerbrochene Krug“ mit der Burghofbühne Dinslaken

HAMELN. Abhaken und ganz schnell vergessen – und ja, so ein bisschen traurig sein, wie da am Montagabend mit der Burghofbühne Dinslaken Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ zum Trauerspiel wurde. Auch im übertragenen Sinn.

veröffentlicht am 17.04.2018 um 17:34 Uhr

Schon das Bühnenbild ließ Böses ahnen mit seiner extremen Schräge, seitlich durchbrochenen Wänden, die nach hinten zusammenlaufen – und auch der Boden löchrig wie ein Schweizer Käse. Foto: Martin Büttner
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Richard Peter Reporter
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Schon das Bühnenbild ließ Böses ahnen mit seiner extremen Schräge, seitlich durchbrochenen Wänden, die nach hinten zusammenlaufen – und auch der Boden löchrig wie ein Schweizer Käse. Mag sein, dass sich Moritz Peters als Regisseur und sein Bühnenbildner Jörg Zysik dabei etwas gedacht haben und die Öffnungen als „Schlupflöcher“ verstanden wissen wollen und die Aussparungen im Boden als Metapher fürs Abtauchen stehen.

Dafür stehen dann die Schauspieler ziemlich statisch und unmotiviert an den jeweiligen Seiten und warten, bis sie wieder was zu sagen haben. Da passiert nicht viel zwischen den Anklägern, die ihre Nummern abziehen und denen, die doch ebenfalls beteiligt sind. Schlimmer aber: die akustischen Probleme – die im Gegensatz zu den Wänden kaum Schlupflöcher für die Texte auf dem Weg zum Publikum finden. Zu den vermutlich nicht besonders sprechtechnisch begabten Ensemble-Mitgliedern kommt noch die eher unglücklich platzierte Bühne auf der Bühne, die Sprache nur noch bruchstückhaft über die Rampe trägt. Der Rest entschwindet in den Schnürboden.

Kleists „Krug“ ist Kummer gewohnt – schon die Uraufführung Anfang März 1808 in Weimar und von Goethe inszeniert, war mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Der Olympier nannte es „ein problematisches Theaterstück“, das er allerdings selbst verbockt hatte, indem er aus dem Einakter drei langatmigeTeile mit Pause machte – vermutlich um den hohen Herrschaften seines Hoftheaters Gelegenheit zu geben, sich selbst, Garderoben, Orden und Schmuck zu präsentieren.

Arno Kempf als Dorfrichter Adam, ein beeindruckendes Mannsbild und frühes Vorbild für Weinstein, Wedel und Co. – nur, dass die wenigstens Karrieren in Aussicht stellten, wo Adam nur ein perfides Spiel spielt. Die Richtung ist allemal dieselbe. Sein Schreiber Licht, mit Frank Casali besetzt, ist bestenfalls ein Lichtchen. Wenn er nach hinten sprach, konnte man überhaupt nichts mehr verstehen – was Christiane Wilke als Marthe Rull über weite Strecken auch frontal gelang mit ihrem so lieblosen Lamento über den titelgebenden zerbrochenen Krug. Abfall der Niederlande eben.

Gerichtsrat Walter – was mag Moritz Peters nur geritten haben, dass der zuletzt Eve küsst. Von Kleist gewollt, war ein Versöhnungskuss zwischen dem Mädchen und ihrem Ruprecht (Patric Welzbacher), der dem rustikalen Burschen einiges schuldig blieb, wie auch Julia Sylvester als Eve eher einer blutarmen Undine glich.

Ach ja – und ziemlich nervig die Texteinspielungen für gespartes Personal und die Lichtspiele, die, was auch immer, zu bedeuten hatten.

Wie gesagt: abhaken und vergessen – und positiv erinnern, dass der Einakter ohne Pause ein relativ rasches Ende fand.



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