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Das von „Unser Dorf liest“ gezeigte Feature über Karl Philipp Moritz ist ein wichtiger Schritt

„Ein bisschen Lokalpatriotismus“ im Theater

Hameln. Allein das ist ein Trauerspiel: Da muss erst eine Laientheatergruppe in der Reihe „Das Weserbergland spielt“ im Theater Hameln gastieren, um die Stadt an ihren großen Denker zu erinnern: Karl Philipp Moritz. Der Coppenbrügger Kulturinitiative „Unser Dorf liest“ ist mit dem Feature „Ein Hamelner Grenzgenie“ am Samstagabend ein langer und überaus lehrreicher Theaterabend über das kurze Leben des talentierten Eigenbrötlers gelungen. Heiner Stender, der die Hintergründe recherchiert und das biografische Schauspiel in sechs Szenen verfasst hat, hat sich keine einfache Aufgabe gestellt: Authentisch soll sein Stück sein. Regisseur Jürgen Rebers und Regieassistentin Christine Schawara bleiben diesem Ansatz treu.

veröffentlicht am 20.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 06:41 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Den facettenreichen und oftmals widersprüchlichen Charakter Karl Philipp Moritz’ formt Hauptdarsteller Henning Reso Szene für Szene in immer neuen Personenkonstellationen: als unterdrückten Sohn im strengen Elternhaus. Als schüchternen Geliebten mit seiner jungen Gattin Friederike. Als sensiblen, durchaus humorvollen Freund Goethes (Herbert Jöris). Als unbeholfenen Reisenden in Italien. Als beinahe schon chauvinistischen Dozenten in deutscher Sprache gegenüber der Malerin Angelika Kaufmann (Hilde Junker).

Die Schauspieler zeigen eine gute Leistung auf schwierigem Terrain: Information und Unterhaltung gehen in der Aufführung Hand in Hand – auch wenn die Bühnenfassung des von Krankheit und Armut gezeichneten Daseins mehr Tragödie als Komödie ist, in der Sprecherin Waltraud Schwee die prägnanten Lebensstationen zusammenhält und sachkundig anfüttert.

Keine Frage, mit anderen als den sorgfältig ausgewählten realitätsnahen Kostümen und Requisiten hätte die zuweilen gemächliche Nacherzählung ein wenig für die Theaterbühne herausputzt werden können. Schön etwa ist der kurze Moment, in dem der bettlägerige Schriftsteller in seine vor dem Sessel geparkten Birkenstock-Schlappen schlüpft. Andererseits: Warum etwas aufpolieren, wenn das Leben selbst die besten Geschichten schreibt?

Das Feature über Karl Philipp Moritz, das „Hamelner Grenzgenie“, wie Jean Paul ihn nannte, ist ein Anfang. Sicherlich ein (in Details) ausbaufähiger, aber ein wichtiger Schritt, um wieder einmal auf den bedeutsamen Sohn der Stadt hinzuweisen. Für „ein bisschen Lokalpatriotismus“ bedankte sich schließlich Heiner Stender bei den Zuschauern, die die Aufführung mit langem und freundlichem Applaus würdigten.

Karl Philipp Moritz (Henning Reso) als vorlauter Kritiker des Schauspielers Iffland (Jürgen Rebers, rechts).

Foto: geb



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