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Die „Niedersächsischen Musiktage“ widmen sich in diesem Jahr dem Thema „Raum“

„Ein bisschen abstrakt“

HANNOVER. Es ist keine „Liebe“ und auch keine „Leidenschaft“. Selbst Katrin Zagrosek räumt ein, dass das Motto „Raum“, mit dem in diesem Jahr die „Niedersächsischen Musiktage“ überschrieben sind, verglichen mit früheren Festivalausgaben „ein bisschen abstrakt“ sei. Aber für die Musiktage-Intendantin ist es eben wichtig, dass die Themen, die ihre Arbeit prägen, nicht einfach Schlagworte sind, die schnell inflationär eingesetzt werden können.

veröffentlicht am 23.08.2017 um 16:16 Uhr

Katrin Zagrosek, Intendantin der „Niedersächsischen Musiktage“. Foto: Helge Krueckeberg

Autor:

Stefan Arndt

Der Begriff des Raumes hat jedenfalls eine konkrete Bedeutung für die Musik, findet sie. „Jeder Raum prägt sich der Musik auf, die in ihm erklingt. Das beschäftigt Komponisten bis heute“, sagt Zagrosek. Sie selbst hat sich in den vergangenen Monaten ebenfalls intensiv mit dem Thema befasst und dabei eine Reihe besonderer Konzertprogramme entwickelt. Es gehört seit Jahren zum Konzept der Niedersächsischen Musiktage, stark auf die jeweiligen Veranstaltungsorte einzugehen und etwas anzubieten, was nur dort gespielt wird. Das Motto „Raum“ eignet sich dafür perfekt.

Zum Auftakt gibt es statt eines einzigen festlichen Konzertes gleich ein ganzes Wochenende, an dem sich die Besonderheit eines Ortes ausgiebig musikalisch erkunden lässt. Die Reise führt am 2. und 3. September ins Osnabrücker Land: Zunächst wird mit dem Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus, das Architekt Daniel Libeskind schon 1994 entworfen hat, ein außergewöhnliches Gebäude zum Konzertraum.

Dann wird der romanische Dom der Stadt stilechter Aufführungsort von Raumkompositionen wie „Spem in alium“ von Thomas Tallis. Die Motette des Renaissancekomponisten ist 40-stimmig und wird von einzelnen Chorgruppen gesungen, die im Kirchenraum verteilt sind.

Auf einen musikalischen Gottesdienst folgt am nächsten Tag eine „Landschaftsmusik“ am Rande des historischen Schlachtfeldes von Kalkriese: Der Schweizer Komponist Daniel Ott hat ein Stück für rund 200 Laienmusiker aus den Blaskapellen und Liebhaberorchestern der Region geschrieben. Zum Finale präsentiert der Komponist und Klarinettist Jörg Widmann in Melle, was er zuvor mit Studenten der Jungen Deutschen Philharmonie erarbeitet hat. Das Festival hat dem Dozenten und seinen Studenten zuvor den „Freiraum“ dazu geschaffen: Ort und Zeit, um in Ruhe zu proben. So fügt sich auch die Pädagogik elegant ins Konzept.

In Hannover sind die von der niedersächsischen Sparkassenstiftung ausgerichteten Musiktage, die sich als Festival für das ganze Land verstehen, traditionell selten zu Gast. Außer einem Mittagskonzert mit Solisten des La Folia Barockorchesters im Sparkassenforum (19. September) gibt es noch das Abschlusskonzert mit Werken von Saariaho, Prokofjew und Nielsen am 1. Oktober im Funkhaus. Der finnische Dirigent Jukka-Pekka Saraste dirigiert die Junge Deutsche Philharmonie, Solist ist der US-amerikanische Pianist Tzimon Barto.

In diesem Jahr kommt noch ein hannoverscher Festival-Prolog dazu: Bereits am Freitag, 25. August, um 19 Uhr, sind Musiker aus Hannovers Partnerstadt Hiroshima in der Neustädter Hof- und Stadtkirche zu hören. Chor und Orchester der Elisabeth University führen neben Stücken von Beethoven und Schubert auch das Oratorium „Sternlose Nacht“ des 1955 geborenen japanischen Komponisten Toshio Hosokawa auf. Die Sprechpartien in dem Stück lesen die Schauspieler Nina Petri und Heikko Deutschmann.

Neu in diesem Jahr ist die Reihe der „Denkräume“, die Musik mit wissenschaftlichen Vorträgen kombiniert: In Hannover spricht Physiker Karsten Danzmann am 8. September im Lichthof der Universität über Gravitationswellen, Musik kommt vom Ensemble Elbtonal Percussion und dem Jungen Vokalensemble. Die Musiktage beginnen mit einem Prolog am Freitag, 25. August, um 19 Uhr in der Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannover. Offizielle Eröffnung ist am 3. und 4. September in Osnabrück. Das Festival dauert bis zum 1. Oktober.

Karten und vollständiges Programm unter der Rufnummer 0800/4566540).



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