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Hameln im Jahr 1654: Georg Schwedt setzt sich mit Werk des Kupferstechers Merian auseinander

Ein Bild erzählt Stadtgeschichte

veröffentlicht am 16.09.2016 um 20:52 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:23 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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HAMELN. Ein detailgenaues Bild der Stadt aus der Vogelperspektive? Kein Problem. Man erklimme den Klüt, zücke die Kamera, fertig. 1654 war das schwieriger. Eines der kostbarsten Stücke des Hamelner Museums ist die in jenem Jahr in Frankfurt veröffentlichte Hamelner Stadtansicht des Kupferstechers Caspar Merian. Es ist die erste weitgehend naturgetreue Ansicht der Weserstadt.

Was ist auf der Darstellung im Einzelnen zu sehen? Eine Frage, die den Chemieprofessor Dr. Georg Schwedt aus Hessisch Oldendorf schon seit seinen Rintelner Schülertagen nicht mehr losgelassen hat. In einer Publikation des Hamelner Museums stellt Schwedt nun die „Rattenfängerstadt im Spiegel des Kupferstechers Caspar Merian (1627-1686)“ vor. Ausgebildet durch seinen Vater Matthäus Merian der Jüngere, übernahm dieser 1650 die Verlagsleitung und die Arbeit an den bekannten Städteansichten der „Topographia Germaniae“. In deren Zuge entstand auch die bekannte Ansicht Hamelns aus der Vogelperspektive.

Die Zeichnung dazu erstellte, so Schwedt, Conrad Buno (1613-1691), Hof-Kupferstecher, Verleger, Zeichner und Buchhändler aus Wolfenbüttel. Den Text verfasste der Autor Martin Zeiller (1589-1661), ein „barocker Kompilations-Schriftsteller“, Hauslehrer und Notar, der zudem auch Reisehandbücher verfasste.

Und der erwähnte zwar die vom „wunderlichen Spielmann“ entführten Kinder des Jahres 1284, doch – wohl auf Wunsch des Auftraggebers – die Rattenplage mit keinem einzigen Wort.

Während eine Ansicht Hamelns von Matthäus Merian aus dem Jahr 1641 das Stadtinnere noch leicht schematisiert zeigt, so kann der Betrachter in Caspar Merians Darstellung ungleich mehr Details erkennen. Faszinierend etwa der Verlauf der Weserbrücke mit ihrem Brückenhäuschen in der Mitte, dem Geländer und den Torhäuschen links und rechts. „Hier warten auf Technikkundige noch viele Dinge, die zu erforschen sind“, so Schwedt bei seiner Präsentation im Museum. Unübersehbar auch die „Marck Kirche“, das „New Gebäu“ (Hochzeitshaus) und das 1294 als „theatrum“ entstandene „Rahthauss“.

„Das Hamelner Loch ist aber nicht drauf“, monierte ein älterer Zuhörer. Und in der Tat fehlt jener kleine Schiffsdurchlass, an dem die Weserkähne seinerzeit entladen und die Waren gegen Stapelgebühr in der Stadt angeboten werden mussten. Damals eine wichtige Einnahmequelle der Stadt.

„Der Zeichner ist durch die Stadt gelaufen und hat sich von fast allen Häusern ein Bild gemacht“, erklärt Schwedt. So wurde die Darstellung ein weitgehend authentisches Abbild der Stadt. Und das macht noch heute eine die Fantasie beflügelnde historische Reise in die Geschichte der Stadt möglich. Info: Georg Schwedt: Die Rattenfängerstadt Hameln an der Weser im Spiegel des Kupferstechers Merian. Reisen in die Geschichte der Stadt. Erhältlich im Museum zum Preis von Euro 4,98.



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