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„Ladylike“ im Theater Hameln: Ingrid Nolls einfache Bühnenfassung mit dem Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel

Ein amüsantes Schauspiel mit prachtvoller Besetzung

Von Richard Peter

veröffentlicht am 23.04.2010 um 12:25 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:41 Uhr

Lore (Ute Zehlen) und Anneliese (Karin Graf) werden zu baggernde
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Hameln. „Ladylike“ à la Ingrid Noll – da ist allemal, wie es im Roman und jetzt auch auf der Bühne heißt: „bestimmt ein Kräutlein gewachsen“ – nicht nur gegen ausgediente Ehemänner, die entsorgt werden sollen. Da kann man schon einmal den cholesterinsenkenden Bärlauch, der außerdem gerade „in“ ist und einfach lecker schmeckt, mit den Blättern der Herbstzeitlosen verwechseln. Es gibt noch mehr lanzettenförmiges Grünzeug für listige Damen, die sich nur allzu gerne in lustige Witwen verwandeln. „Ladylike“ einmal anders interpretiert und nicht etwa gesellschaftlich gehobener Standard – sondern schlicht: die Lady als Giftmischerin.

So lassen sich Probleme problemlos lösen und so landen Anneliese, gesegnet mit dem „grünen Daumen“ und selig solo, sowie Lore, ebenfalls befreit vom männlichen Anhängsel, in einer Frauen-WG. Alte-Damen-WG, denn die nicht mehr ganz taufrischen Mädels haben die Siebzig längst überschritten. Sie könnten es gut haben, die beiden Ladies – stünde da nicht überraschend der einstige Tanzstundenherr Ewald auf der Matte. Die Verwandlung der beiden faltenreichen Damen in baggernde Teenies kann beginnen. Lore und Anneliese sind wie ausgewechselt – jedes Mal, wenn Ewald auftritt.

Ingrid Noll hat aus ihrem Roman, der wie jeder Noll-Roman von Erfolg begleitet wird, für das Westfälische Landestheater eine Bühnenfassung geschaffen. Auf drei Personen begrenzt: Lore, Anneliese und Ewald. Im Roman sind es einige mehr: Lores Nachfolger im Geschäft – vor allem aber auch ein Studentenpärchen, das die beiden sauberen Ladies durch Deutschland kutschiert und als Kontrastprogramm dient. Auf drei Personen reduziert, bleibt natürlich einiges an Farben auf der Strecke. Und auch die etwas dubiose Flugshow, die nach Drogen im Absturz von einer Brücke erst im Wasser und dann im Krankenhaus endet, ist hier mangels Bühneneffekt etwas verloren – wie auch der Einbruch in Ewalds Haus, das sich der Zuschauer in Annelieses Garten fantasievoll erfinden soll. Eine Fantasie, die weder Regie noch Bühnenbildner aufbringen können.

Macht nichts: Die drei Rollen sind prachtvoll besetzt. Die etwas voluminöse Anneliese mit Karin Graf, ihre betuchtere Freundin Lore mit Ute Zehlen und als Herzbube Ewald Walter Theil. Alle drei sind nahe an der Idealbesetzung. Solide sonst die Inszenierung von Gert Becker – und wenn es etwas zu meckern gibt: dass es sich Ingrid Noll ein bisschen einfach mit ihrer Bühnenfassung gemacht hat, die dem Roman hinterherhinkt. Theater hat nun mal seine eigenen Gesetze – und nur ganz selten lässt sich Literatur so mir-nichts-dir-nichts in Dramatik, Komödie oder Posse verwandeln.

Was die Noll sonst ausmacht, nämlich die Perfidie des Normalen, bleibt sie den Brettern schuldig. Was nicht gegen einen dennoch amüsanten Donnerstagabend im Theater Hameln spricht.



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