weather-image
10°
Markus Becker spielt beim Klavierabend Sonaten und Préludes von Mozart und Chopin

Echo-Preisträger im Serenadenkonzert

Hameln. Als Mozart seine von Ludwig von Köchel mit der Nummer 282 versehene Sonate Es-Dur komponierte, war er ganze achtzehn Jahre alt. Man zählte das Jahr 1774, und unter dem maßgeblichen Einfluss von Carl Philip Emanuel Bach stand die sogenannte empfindsame Zeit auch in der Klaviermusik in voller Blüte. Der Blick in Mozarts Urtext lässt neben dem für diesen Stil typischen Gewicht der Melodiestimme auch die rege wechselnde Dynamik erkennen – da findet sich in allen drei Sätzen dieser Sonate kaum ein Takt ohne präzise Vortragsbezeichnungen. Ein verlockendes Angebot an Pianisten und ihre Anschlagskünste. Ihretwegen wurde Markus Becker bekannt und mit drei Echos dekoriert. Nun gastierte der Hannoveraner Pianist und Professor im Haus der Kirche.

veröffentlicht am 12.03.2012 um 14:52 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 13:41 Uhr

270_008_5316328_ku102_1303.jpg

Autor:

Karla Langehein
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Es gibt wahrhaft Leichteres, als einen Klavierabend mit dem intimen, nuancenreichen Adagio-Kopfsatz zu beginnen – zumal in der komplizierten Akustik des bis an seine Grenzen besetzten Raumes. Ganz nach innen gerichtet, entwickelte Markus Becker den ersten Satz in betont ruhigem, später stellenweise leicht anziehendem Tempo, wobei er mit eher groß- als kleinräumig angelegter Dynamik eigene Akzente setzte. Heiter und unbeschwert dann die beiden Menuette, Spielmusik wie auch das abschließende Allegro, in dessen Verlauf Becker mit voranstürmendem Tempo seine technische Brillanz aufblitzen ließ.

Die war dann in der vier Jahre später entstandenen Sonate B-Dur KV 333 noch deutlicher gefragt. Nicht nur wegen der von Mozart in den Finalsatz eingefügten Kadenz hat das Werk Konzertformat und verlockt deshalb seine Interpreten zur Demonstration von Virtuosität. Eine Aufforderung, der Markus Becker ohne Zögern bravourös folgte.

Präludium – übersetzt be-deutet das: Vorspiel. Ein Begriff, der eher Harmloses, lediglich zu etwas Wichtigerem Einleitendes verspricht. Wenn er sich nicht verselbstständigt hat wie unter anderem in Chopins Opus 28. Vierund-zwanzig Vorspiele, angeordnet nach dem Quintenzirkel, der als Grundlage der Harmonielehre die Verwandtschaft der Tonarten grafisch auflistet. Auch wenn die Tempoangaben sich in einigen Fällen wiederholen, sind es doch vierundzwanzig unterschiedliche Charaktere mit spieltechnisch ganz verschiedenartigen Aufgabenstellungen – komplexer kann die pianistische Herausforderung kaum sein.

Mit hoher Konzentration formte Markus Becker die häufig in starkem Kontrast zueinander stehenden Eigenheiten – in jeder Hinsicht bemerkenswert das Presto con fuoco in der Folge des berühmten Regentropfenpréludes. Feinsinnig ausgespielt auch das die Identität seiner Tonart a-moll erst im letzten Takt preisgebende Lento. Und einer von zahlreichen Beweisen der auffallenden Stärke seiner linken Hand: das darauf folgende Vivace. Langer Beifall und Beckers hübsche Idee, als Zugaben drei Préludes nachzuschieben: eines (der zahlreichen) von Scriabin, das zu Johann Sebastian Bachs Partita B-Dur gehörige und, krönender Abschluss, das erste der drei 1926 komponierten Prèludes von George Gershwin „Allegro ben ritmato e deciso“.

Bei seinem Konzert im Haus der Kirche erhält Markus Becker langen Applaus.

Foto: Wal



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt