weather-image
11°

Amüsante Zeitkritik und intelligenter Wortwitz mit dem Göttinger „Generationen-Kabarett Pawlowski forte“

Düstere Zukunft? Egal, im TAB war es dennoch heiter

Hameln. Na bitte, es gibt also doch noch anspruchsvolles, ideenreiches, intelligent gemachtes Wort-Kabarett. Das Göttinger „Generationenkabarett Pawlowski forte“ ist ein einsamer Leuchtturm im wild tosenden Meer der Prekariats-Comedy à la Cindy von Marzahn und Mario Barth. Das Vater-Sohn-Duo Dr. Klaus und Peter Pawlowski bemühte im fast voll besetzten Theater auf der Bühne (TAB) die hellseherischen Kräfte des „Orakels von Elfi“ (Uschi Siemon), um einen Blick in die Zukunft zu tun.

veröffentlicht am 04.10.2010 um 15:17 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:41 Uhr

Brechen etwa rosige Zeiten an? Klaus und Peter Pawlowski mit Usc

Autor:

Ernst August Wolf
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die sieht wie erwartet düster aus. Doch die Pawlowskis sehen die Ungereimtheiten, Skandale und Skandälchen der bundesdeutschen Gegenwart zwar mit Wut im Bauch, doch ohne Bitterkeit. Im Gegenteil. Da verkehrt eine pfiffige Seniorin bei ihrem Kreditantrag einfach die Rollen und hinterlässt einen verdutzten Bankmanager und ein amüsiertes Publikum.

Die Gratulationstour von AOK, Finanzamt und „Konsum-Kontrollerin“ dagegen wird für einen 80-Jährigen zur Heimsuchung. Und das „Institut der allgemeinen Beunruhigung“ sorgt dafür, dass wir fortwährend die ausreichende Dosis an Katastrophenmeldungen verpasst bekommen.

Kostenexplosion im Gesundheitswesen? Kein Problem. Die Pawlowskis zeigen, wie mit Gartenschere und Kneifzange künftig zu Hause selbst operativ Hand angelegt werden kann.

Sicher, das Publikum im TAB ist 55 plus. Doch die Göttinger stört das nicht. „Das sind doch die Leute, die ein Leben lang gut gelebt haben, jetzt aber auf einmal merken, dass es im Alter doch nicht so rund läuft, wie sie sich es ausgemalt haben.“

Gekonnt verdichtet „Pawlowski forte“ den deutschen Alltag 2010. Sind die zwergwüchsigen Märchenwesen mit den roten Zipfelmützen gar Terroristen? Eine Bürgerwehr muss her. Und am Ende wird Goethes „Erlkönig“ in einen ICE-Triebkopf verformt, der trotz mancherlei Beschwerden gegen besseres Wissen immer weiter fahren muss.

Höhepunkt aber ist der ferngesteuerte „Politroboter“, den umzuprogrammieren ein ums andere Mal treffliche Pointen generiert.

Die Wortgewalt von TAZ-Glossenschreiber Klaus und die schauspielerische Ausdruckskraft von Sohn Peter paarten sich an diesem Abend mit der Orakelkraft von Uschi „Elfi“ Siemon. Keine Frage: Dieses Orakel hat sehr gut gesprochen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt