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Ein Flickenteppich, der nicht fliegt: Mozarts „Zauberflöte“ als Eröffnungspremiere in Salzburg

Dr. Seltsam und die Weisheitsliebe

Salzburg. Es beginnt mit musikalischen Ausrufezeichen. Nikolaus Harnoncourt lässt seinen Concentus Musicus Wien die Aufgepasst-Bläserfanfare des „Zauberflöten“-Beginns markant ins Rund der Salzburger Felsenreitschule schmettern. Das ist ein aufregender Auftakt der Eröffnungspremiere der Salzburger Festspiele. Nur leider geht es so spannend nicht weiter. Weder musikalisch noch szenisch. Ausgerechnet Mozarts populärste Oper erweist sich in der Mozartstadt immer wieder als Problemfall. So auch bei der Neuinszenierung von Regisseur Jens-Daniel Herzog.

veröffentlicht am 29.07.2012 um 18:35 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Rainer Wagner
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Regisseur Herzog erzählt die Geschichte eher beflissen als inspiriert. Der Abend zieht sich, die wenigen Ausflüge ins Volkstheaterhafte wirken angestrengt, die Scherze bemüht. Auch der Funke der Aufklärung springt nicht über. Spätestens bei der Feuer- und der Wasserprobe aber wird klar, dass die angeblichen Weisheitshüter eher ungemütliche Gesellen sind. Das könnte ohne den Zauber der Flöte nur tödlich enden.

Das begreifen auch Tamino und Pamina. Als das liebende Paar nach bestandener Prüfung aufgenommen werden soll in den Kreis der Weisen, verweigern die beiden sich. Der blinkende Sonnenkreisanhänger taugt nach ihrer Ansicht besser als Babyspielzeug für den schnell gezeugten Nachwuchs von Papageno und Papagena. Mit vier Kinderwagen verlassen beide Paare die Szene, zurück bleiben die ratlosen Jünger und ihr Dr. Seltsam namens Sarastro, der sich handgreiflich mit der Königin der Nacht streitet.

Um Pointierung bemüht sich Altmeister Nikolaus Harnoncourt. Leider aber ist das nur ein Flickenteppich aus spannenden Bildern und dünnen Verbindungsfäden. Bernard Richter beginnt Taminos Bildnis-Arie noch verhalten, kann sich aber lockern und entfalten. Mandy Friedrich ist eine Königin der Nacht, deren Höhenglanz auf nicht ganz so stabilem Fundament ruht. Insgesamt wurde solide gesungen, doch ausgeprägtes Festspielniveau sollte sich anders anhören.

Heute um 20.15 Uhr zeigt arte die „Zauberflöten“-Aufführung aus Salzburg.

Von oben starten die drei Damen (Sandra Trattnigg, Anja Schlosser und Wiebke Lehmkuhl) ihre Schlangenattacke auf den schlafenden Tamino (Bernard Richter).

Foto: dpa



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