weather-image
23°
Im Theater setzt die Pianistin Ana-Marija Markovina beim Hamelner Konzert starke Akzente

Donnernde Akkorde und ein liebevolles Spiel

Von Ernst Wilhelm Holländer

veröffentlicht am 14.04.2010 um 14:52 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:41 Uhr

270_008_4275063_ku103_1504.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Hameln. Beim vierten Konzert der Reihe „Dewezet Classics“ im Theater war einiges anders als gewohnt. Erfreulich zunächst, dass die Reihen weniger gelichtet waren. Auf dem leider wieder kargen Podium (kein noch so winziges Blümchen) hatte sich ein hier noch unbekannter Klangkörper aufgebaut, wenn auch im Hintergrund und vom Flügel fast verdeckt: die Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg mit ihrem italienischen Dirigenten Federico Longo. Ihr geht ein hervorragender Ruf voraus, allerdings konnte man ihre Qualitäten vor der Pause nicht so recht einschätzen: Klanglich kam ihr Musizieren etwas verdünnt herüber.

Kärglich übrigens das Programmheft, in dem man sonst etwas über die zu hörenden Werke lesen darf – nichts von allem! Dafür eine x-beliebige Kritik von einem vergangenen Konzert des Orchesters.

Zunächst also Carl Philipp Emanuel Bach, der „Hamburger Bach“, zweiter Sohn des großen Johann Sebastian, Schüler seines Vaters: Er hat ein umfangreiches Schaffen hinterlassen, allein 50 Klavierkonzerte! Von seinen 19 Sinfonien erklang die in a-moll, ein kurzes, dreiteiliges Werk mit einigen hörenswerten Passagen, doch nicht im Gedächtnis haftend. Die Musiker spielten es leider von weither, sicherlich kompetent und perfekt.

Sodann ein Werk des gerade 13-jährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy: ein Konzert für Klavier und Streicher in a-moll, das natürlich nicht den Rang und die Reife der späteren großen Konzerte hat. Aber man bewundert, welche Fähigkeiten der Junge als Pianist hatte, welch vielfältiges kompositorisches Schaffen schon vorliegt. Das Klavierkonzert stellt dem Solisten heikle Aufgaben, weist alle Finessen Hoher Schule der Tastenkunst auf. Im langsamen Satz meint man schon, eines der „Lieder ohne Worte“ anklingen zu hören.

Den heiklen Solopart gestaltete Ana-Marija Markovina mit perfekter Technik und beeindruckender, oft heftig zupackender Anschlagskultur. Allerdings vom recht hart klingenden Flügel (vor allem im Diskant) etwas getrübt. Leider drang das hinten aufgestellte Orchester wenig durch, sicherlich wollte es mitgestaltender Partner sein. Vielleicht hätte man den Flügel nicht öffnen sollen?

Die Pianistin gab nach der Pause einen weiteren eindrucksvollen Beweis ihrer Fähigkeiten mit „Andante spianato et Grande Polonaise brillante“, Opus 22 von Chopin, sicherlich passend im Jubiläumsjahr. Das Werk erklingt eigentlich mit Orchester. Ana-Marija Markovina spielte es solistisch und brillierte in der Tat damit. Sie neigt dazu, starke Akzente zu setzen, liebt donnernde Akkorde, meistert die klaviertechnischen Anforderungen wie selbstverständlich: pianistisch Hohe Schule. Dass sie auch durchsichtig, klar und geradezu liebevoll zu spielen weiß, zeigte sie in einem Satz aus der Sonate A-Dur von Scarlatti als Zugabe.

Den Höhepunkt des Abends bildete die Serenade für Streichorchester, opus 48, von Peter Tschaikowsky. Das 1880 entstandene Werk erfreut sich einiger Beliebtheit; der elegante Walzer hat es bis in die Wunschkonzerte geschafft. Dabei gibt es andere Schönheiten: die barock anmutende Einleitung, die am Schluss noch wiederkehrt, den Zauber der schnellen Sätze, vor allem aber den langsamen Satz, die „Elegie“. Nun erkannte man die großen Fähigkeiten der Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg: Vom Dirigenten Longo behutsam bis fordernd und anfeuernd geleitet, zeigt sie absolute Präzision, klangliche Feinheiten, dynamisch wohldosierte Breite und werkdienende Gestaltung. Ich habe die „Elegie“ selten so feinsinnig gehört: mit wundervollen Details und tiefgehendem Klangsinn.

Es gab anhaltenden Beifall, und so wurde es doch noch ein schöner Abend.

Solistin Ana-Marija Markovina mit der Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg.

Foto: nls



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt